Auch Old-Economy-Aktien aus der zweiten Reihe sind zuweilen ein äußerst lohnendes Investment - vorausgesetzt, man erwischt den richtigen Zeitpunkt zum Einstieg. So etwa bei Vossloh, das in den Bereichen Lichttechnik sowie Eisenbahn und Verkehr tätig ist. Wer vor einem Dreivierteljahr den M-Dax-Wert kaufte, kann sich freuen: Der Kurs hat sich inzwischen nahezu verdoppelt.

Allerdings gehörte damals schon etwas Mut zu diesem Engagement. Das Geschäftsjahr 1999 (Umsatz: 1,5 Milliarden Mark) hatte der Konzern mit Hauptsitz im sauerländischen Werdohl nur mit einem Gewinn von knapp 35 Millionen Mark abgeschlossen - 40 Prozent weniger als geplant. Solche Abweichungen von Prognosen sieht kein Anleger gern, schon gar nicht der professionelle Investor. Für Verärgerung sorgte zusätzlich, dass das Unternehmen erst kurz nach Veröffentlichung der Neunmonatszahlen mit seiner Gewinnwarnung herausgerückte. "Zahlreiche Fondsmanager bauten daraufhin ihre Positionen ab", erinnert sich Rolf Geck, Analyst der WGZ-Bank. Der Kurs geriet ins Rutschen, die Aktie war günstig zu haben.

Inzwischen ist der Kursverlust wieder aufgeholt, denn Vossloh-Chef Burkhard Schuchmann ging die Ursachen für den Gewinneinbruch energisch an. In der Sparte Eisenbahn und Verkehr war es vor allem die Maschinenbau-Tochter Hegenscheidt-MFD, die nach dramatischen Auftragsrückgängen Verluste erwirtschaftete. Schuchmann reagierte mit einer radikalen Reduzierung der Produktpalette und mit Personalabbau: Die Belegschaft schrumpfte um ein Viertel.

Auch in der Sparte Lichttechnik, die sich insgesamt schlecht entwickelt hatte, leitete der Vorstandsvorsitzende eine Restrukturierung ein. Ihr wurde ebenfalls ein Kostensenkungsprogramm verordnet

auch hier werden Mitarbeiter gehen müssen. Außerdem setzt der Konzern jetzt verstärkt auf neue Techniken, etwa Leuchtdioden, wie man sie vom Armaturenbrett im Auto kennt.

Vorstandschef Schuchmann glaubt, dass diese Verfahren auch bei der Raumbeleuchtung an Bedeutung gewinnen. Ende 1999 übernahm Vossloh deshalb die Mehrheit an der Wustlich-Gruppe, einem namhaften Anbieter von Leuchtdioden.

Zwar ist der Bereich Lichttechnik "kein boomender Markt wie Telekommunikation oder Internet", sagt Thomas Terhorst, technisch-wissenschaftlicher Mitarbeiter der VDI-Gesellschaft Technische Gebäudeausrüstung. Aber er rechnet auf längere Sicht mit Zuwachsraten. "Es zieht ja immer mehr Elektrotechnik in die Gebäude ein." Schwieriger zu prognostizieren sind die Marktaussichten für die Bahn- und Schienentechnik. Kann Vossloh davon profitieren, dass im Rahmen von Privatisierungen Aufgaben an externe Anbieter delegiert werden, oder gehen die Aufträge durch Einsparungen eher zurück?