Edward Said holt zum Wurf aus. In der Hand einen Stein, den er gleich schwungvoll über die Grenze nach Israel befördern wird. Die Aufnahme entstand vor ein paar Wochen im Südlibanon, eine Nachrichtenagentur brachte das Bild in Umlauf. Zunächst glaubten viele an eine Verwechslung. Denn warum sollte der berühmte Professor aus New York so etwas tun, zumal sich doch die Armee gerade aus der einstigen "Sicherheitszone" zurückgezogen hatte?

Auf der Suche nach einer Antwort reiste der Jerusalemer Journalist Ari Shavit von Jerusalem zu ihm in die Columbia-Universität. Said spielte die Episode herunter, nicht ganz so elegant, wie er geworfen hatte. Es sei die "eher karnevaleske Atmosphäre" nach dem Abzug der Israelis gewesen

in "einer Art ödipalem Wettbewerb" wollte er seinem Sohn beweisen, dass er viel weiter werfen könne

und außerdem dachte er doch nicht, dass ihn jemand dabei fotografieren würde. Ein wenig peinlich, so jedenfalls klang es, war ihm die Sache schon. Gleich danach aber konnte Said dann in dem langen Interview wieder gewohntes intellektuelles Gelände betreten: seine Kritik am Osloer Abkommen, das er für ein Desaster hält, weil es den Ausverkauf der palästinensischen Interessen bedeute

seine Vision von einem binationalen palästinensisch-israelischen Staat innerhalb der historischen Grenzen Palästinas.

In einem solchen Staat, wie er Said vorschwebt, würden die Juden irgendwann damit leben müssen, wieder eine Minderheit zu sein. Aber, erklärt Said, "die Juden sind eine Minderheit überall. Sie sind eine in Amerika. Sie können sicher auch eine in Israel sein." Der Literaturexperte hegt dabei durchaus ernste Zweifel, ob diese jüdische Minderheit Chancen auf eine faire Behandlung haben würde. Das macht ihm sogar Sorgen. Zwar sei die Geschichte der Minderheiten im Nahen Osten nicht so schlimm wie in Europa gewesen, "aber ich weiß nicht, was passieren würde. Das beunruhigt mich." Es war dieser Satz, der die Israelis viel mehr traf als der Stein von der anderen Seite des Fatma-Tors.

Die Generäle reden, und die Autoren führen Krieg