Wenn das kein sommerliches Lustspiel ist: Erst kommt der Held, dann das Geld. Applaus, Applaus - nach jedem Aufzug wieder. Darauf haben die deutschen Genforscher lange gewartet. Fachlich mögen sie wenig vom amerikanischen Branchenvorreiter Craig Venter halten, aber er ist der Popstar, der sie ins Rampenlicht geführt hat. Gerne lässt sich Gesundheitsministerin Andrea Fischer mit ihm fotografieren. Kanzler Schröder hat Bio-Tech gar zur Chefsache erklärt. Und wenn es noch eines Popularitätsbeweises bedurft hätte, dann kam er diese Woche: Die Wissenschaftler haben den UMTS-Jackpot geknackt.

Eine Milliarde Mark hat sich die Deutsche Forschungsgemeinschaft gewünscht, und fünf Jahre lang jeweils 200 Millionen Mark hat die Wissenschaftsministerin Edelgard Bulmahn zugesagt. Weil die deutschen Universitäten das Nachsehen hatten, als das menschliche Genom entschlüsselt wurde, sollen sie jetzt bei der Weiterverarbeitung dieses Wissens mithalten können. Reue macht großzügig.

Doch halt. In Wirklichkeit sind deutsche Forscher längst nicht mehr so arm dran, wie sie glauben. Von allen Ländern Europas investierte Deutschland am meisten in die Biotechnik, hat das Fraunhofer-Institut herausgefunden. Die Wende markierte nicht Bulmahn, sondern ihr Vorgänger Jürgen Rüttgers mit seinem Bio-Regio-Wettbewerb. Dann kamen die Wagniskapitalgesellschaften.

Selbst Privatanleger haben das Geschäft mit Erbanlagen so ins Herz geschlossen, dass Börsengänge fast zum Selbstläufer geworden sind. Die Branche schwimmt im Geld. Wozu da noch staatliche Stütze?

Bisher profitierten von dem Geldsegen eher Unternehmen als Universitäten.

Aber zeigt nicht der Fall Venter, dass private Forschung oft schneller zum Ziel führt als öffentliche? Auch Professoren scheinen das kapiert zu haben - sie mischen sich immer öfter unter die Jungunternehmer.

Nichts gegen Grundlagenforschung. Aber knapper als Geld sind kluge Köpfe: Bioinformatiker, Biochemiker und Molekularbiologen. Es fehlt nicht an Geld, sondern an Humankapital. Kein Wunder, dass die Wissenschaftsministerin neben der Forschung auch die Schulen bedenken will - mit Laptops. Man kann nur hoffen, dass sie auch noch ein paar Chemie- und Biolehrer spendiert. Dann hätte sie wirklich Applaus verdient. Jutta Hoffritz