Origineller ist Rueda. Dabei handelt es sich um Weißweine aus einem kleinen Gebiet in Kastilien. Bis vor zehn Jahren wurden dort nur oxidierte, sherry-ähnliche Weine produziert, die allenfalls zu Anchovis und Oliven genießbar sind oder von mir aus zu Kernseife.

Dann jedoch kam ein großer Weinproduzent auf die Idee, das Potenzial der heimischen Rebsorte Verdejo (nicht verwandt mit dem italienischen Verdicchio) zu überprüfen. Und siehe da: es lassen sich feine trockene Weine daraus machen. Die Traube ist extrem sauerstoffempfindlich, also wird sie des Nachts, wenn's kalt ist, gelesen (nicht per Hand, denn es ist ja dunkel). Auf das Lesegut wird sofort Schutzgas gepustet, damit der Sauerstoff keine Chance hat, sodann beginnt die Verarbeitung und Gärung, alles unter kontrollierter Temperatur.

Heute sind es zweieinhalb Dutzend Weingüter, meist geleitet von gut aussehenden jungen Männern, die Rueda Superior (mindestens 85 Prozent aus Verdejo), Rueda (je zur Hälfte aus Verdejo und aus der schwächeren Viura-Traube) sowie Sauvignon Blanc herstellen. Wirklich etwas Besonderes ist nur Rueda Superior, aber achten Sie darauf, dass er nicht im kleinen Holzfass (en barrica) ausgebaut wurde, denn darin verliert er seine Charakteristik: Frucht, Frische, Bittermandel, Jodsalz, Honig, Sahne, etwas Schärfe gehören dazu. Jung zu trinken. 1999 ist ein Superjahrgang. Beste Marken: Palacio de Borno, Oro de Castilla, Mantel Blanco, Villa Narcisa. Teurer als 15 Mark sollte keiner sein, denn ab Bodega kosten sie alle weit unter zehn. Wunderschöne Aperitifs! Nur einer nicht, der ist vielmehr ein großer Wein: Dos Victorias, von José Pariente.

Beim nächsten Mal kümmern wir uns ums Omelette.

Ihr Gero von Randow


Der Autor ist stellvertretender Leiter des Ressorts Politik, genießt das Leben und berichtet an dieser Stelle regelmäßig davon. Anregungen und Kritik gerne an randow@zeit.de