Nachdem er die Wäsche aus der Reinigung geholt hat, hetzt der Mann zum Supermarkt, als warte zu Hause eine Großfamilie auf seine Einkäufe. Er türmt Schokoladenriegel in den Einkaufswagen. Anschließend fährt er zum dritten Mal an diesem Tag in die Waschstraße, wieder mit einem teuren Wagen, was den Tankwart zu der Frage bewegt, wie viele Autos er habe. 40, sagt Markus Finger, und völlig falsch ist das nicht.

Markus Finger ist seit Januar bei einer jungen Internet-Firma in Wiesbaden angestellt - als eine Art Dienstbote, der sogar die Autos der inzwischen über 40 Mitarbeiter zum Waschen fährt. Die New Economy verdankt dem Unternehmen CaContent, das seit einem Jahr online Büroartikel vertreibt, eine Idee, die selbst in der Welt der Start-ups noch verblüfft: Ihr so genannter Best Boy kümmert sich auch um private Nöte der Mitarbeiter. Markus Finger, ein ehemaliger Kellner, sorgt unter anderem dafür, dass der Kühlschrank gefüllt ist, wenn gestresste Internet-Arbeiter spätabends nach Hause kommen.

Ohne Markus wüssten wir nicht, wie wir zurechtkämen, sagt eine Mitarbeiterin. Der Best Boy - an einem Filmset nennt man so den Assistenten für alle und alles - besorgt Frühstück und kümmert sich auch um den Kauf eines Einfamilienhauses. Er ist Haushaltshilfe und Kindermädchen in einer Person. Denn eines steht fest: Viel zu arbeiten gehört in den Büros von CaContent, die noch nach neuem Teppich riechen, zum guten Ton, zum start-up-feeling. Einige essen sogar vor dem Computer zu Mittag, sagt Markus Finger, es klingt, als spreche er über eine ihm ziemlich fremde Spezies von Mensch. Er könnte das nicht, sagt er, bevor er zu einer Imbissbude fährt, um 40 Döner abzuholen - er ließe sich nicht so einsperren.

Mit den Start-ups hat sich die Arbeitswelt verändert. Büro- und Privatleben beginnen zu verschwimmen. Familiär wie bei der Fernsehfamilie der Waltons sei es hier, schwärmt Anja Müller, die für das Image von CaContent zuständig ist.

Wenn die Kollegen Kicker spielen oder sich um Schokoriegel streiten, wenn sie sich am Freitagnachmittag um den vom Best Boy gedeckten Tisch versammeln - ganz so, als wäre es eine große Familie. Sie bleiben oft bis zum späten Abend in diesem kleinen Heim hinter Spiegelglas. Und wenn Markus Finger mal wieder losfährt für eine Besorgung, dann blicken ihm einige Männer aus den Fenstern etwas traurig nach.

Von der Schulbank weg ins Start-up

Die viel beschriebene New Economy hat vor allem ein Problem: Experten werden gesucht, und wenn man sie gefunden hat, will man sie auch halten - zum Beispiel mit dem Service eines Best Boy. Die Idee wird sich in der New Economy durchsetzen, wo die Freizeit so knapp ist wie anderswo Arbeitsplätze.