In Hoopers Darstellung wird das Duo Koprowski und Plotkin zu einer halbkriminellen Vereinigung. Die zwei hätten noch Entlastungsschreiben aus Kollegen herausgepresst, die schon auf dem Sterbebett lagen, erzählt Hooper.

So geht der Streit weiter. Die Tests brachten keine Bestätigung für Hoopers These, aber auch widerlegt haben sie die Vorwürfe nicht. Schließlich wurde der Impfstoff damals in großen Mengen hergestellt. Zwar waren die sechs letzten Proben virusfrei, andere müssen es nicht gewesen sein. Am Ende dürfte sich Hoopers Idee in die Riege der Ursprungshypothesen einreihen, die seit dem weltweiten Ausbruch der Seuche Anfang der achtziger Jahre kursieren. Denn noch immer ist die Frage nicht schlüssig beantwortet: Wie kam das tödliche HI-Virus in den Menschen?

Fromme Geister sahen in der Seuche eine göttliche Strafe für sexuelle Zügellosigkeit. Viel Aufmerksamkeit erhielt eine Theorie, wonach HIV aus einem amerikanischen Biowaffen-Labor entsprungen war. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass der sowjetische Geheimdienst KGB einst dieses Gerücht in die Welt setzte. Die Fachleute hingegen sind sich darüber einig, dass HIV von Affen auf den Menschen übergesprungen sein muss. Denn genetisch ist es ein Geschwister des Schimpansenvirus SIV.

An der Frage, wie das Virus die Artengrenze überschritt, scheiden sich die Geister. Wenig wahrscheinlich ist die Theorie, ein bizarrer Sexualritus habe den tödlichen Kontakt gebracht - Männer und Frauen einiger Stämme an den zentralafrikanischen Seen beschmieren sich mit Affenblut, um ihre Erregung zu steigern. Glaubhafter erscheint den Fachleuten eine Übertragung bei der Affenjagd und dem Verzehr von ungenügend gekochtem Schimpansenfleisch. Doch warum entwickelte sich Aids dann erst im 20. Jahrhundert zur Seuche? Affen werden in Afrika seit mindestens 50 000 Jahren erlegt.

Die Erklärung suchen Epidemiologen in den Umbrüchen nach dem Zweiten Weltkrieg, als die ehemaligen Kolonien unabhängig wurden. Bürgerkriege beförderten die Prostitution, Industriestädte wucherten, Straßen wurden gebaut. Hatte HIV bis dahin nur in entlegenen Dörfern gewütet, verbreitete es sich nun ungehindert. "Aids", schreibt der Berliner Tropenmediziner Hermann Feldmeier, "wäre demnach der Preis, den Afrika für politische Unabhängigkeit, wirtschaftliche Entwicklung und sexuelle Freizügigkeit zahlt."

Feldmeier selbst bezweifelt diese These. Infektionen hätten sich in Afrika schon immer ausbreiten können. Das Leukämievirus HTLV-1, wahrscheinlich ebenfalls vom Affen auf den Menschen gelangt, habe sich schon früh durch Kriege und Prostitution über den ganzen Kontinent verbreitet und mit den Sklaven sogar Amerika erreicht: "Wieso also nicht auch HIV?"

In Afrika wurden eine Million unwissende Menschen geimpft