Schmidt: Guten Morgen Herr Heinlein.

Heinlein: Herr Schmidt, beeindruckt Sie noch der wachsende Widerstand gegen die Ökosteuer?

Schmidt: Ja, den hätte man nicht unbedingt gebraucht, um beeindruckt zu sein, weil wir natürlich vom Umfeld uns leiten lassen und das ist schon sehr schwierig. Das muss man natürlich zugestehen. Das hat aber mit der Ökosteuer an sich überhaupt nichts zu tun.

Heinlein: Wie groß ist denn Ihre Sorge, dass diese Proteste aus dem Ruder laufen wie in Großbritannien oder zuvor in Frankreich?

Schmidt: Ich glaube man sieht auch an der Entwicklung in Großbritannien und in Belgien und Frankreich, dass sich diese Proteste nur kurze Zeit aufrecht erhalten lassen. Das Leben muss weitergehen. Dass der Eindruck auf die Politik zunächst erweckt werden sollte, das ist in Ordnung und das soll auch so sein. Wir werden das auch hier bei uns registrieren. Am 26. Ist ja eine große Kundgebung vorgesehen. Ich denke aber schon, dass es dieser Dinge nicht bedarf, weil wir wissen, in welchem Umfeld wir leben und deswegen auch unsere Gedanken natürlich darauf verwenden, nun die Konsequenzen zu beleuchten.

Heinlein: Nun gibt es ja, Herr Schmidt, zwei Möglichkeiten, auf die Proteste zu reagieren: nachgeben wie Jospin in Frankreich oder Blockaden brechen wie Blair in Großbritannien. Wie wird denn die Bundesregierung, wie sollte die Bundesregierung auf Dauer reagieren?

Schmidt: Das werden wir ganz in Ruhe besprechen. Wir sind ja mitten drin in diesem Prozess und man muss ja nicht nach einer Woche Protesten glauben, dass man die ganze Politik über den Haufen werfen darf und sollte, die man vorher auf den Weg gebracht hat. Wenn wir das tun, dann sind wir Spielball solcher öffentlicher Reaktionen und dann können wir nächste Woche ein ganz anderes Thema haben. Dann fangen wir auch an, unsere politischen Entscheidungen wieder zu korrigieren. Das geht nicht. Das kann auch der Bürger nicht von uns erwarten. Ich glaube auch, der Bürger erwartet das von uns objektiv nicht. Wir werden uns jetzt ganz in Ruhe dransetzen und werden sehen, was wir für Möglichkeiten haben - da gibt es einige - und ob wir sie nehmen und nutzen werden, oder ob wir gar nichts tun müssen, weil sich zum Beispiel die Benzinpreisentwicklung wieder nach unten bewegt. Das wird sich in den nächsten Wochen zeigen.