Es müsse "schon zulässig sein", zum NS-Thema "auch aus Blickwinkeln, die nicht ausschließlich im Sinne einer pauschalen Ablehnung argumentieren", Stellung zu nehmen. Sie würden über Böhmdorfers Denken und Wirken noch Schlimmeres zutage fördern, versichern die Autoren des nächsten Haider-Buchs, das in wenigen Wochen auf den Markt kommt (Kurt Kuch und Hans-Henning-Scharsach: Haider - Schatten über Europa). Doch angesichts der unsicher gewordenen Rechtslage halten sie Details noch unter Verschluss.

Dieser Dieter Böhmdorfer mag seit Februar Justizminister sein, seine Anwaltskanzlei widmet sich indes unverdrossen, eher noch mit steigender Emsigkeit, der Verteidigung diverser FPÖ-Empfindlichkeiten. Bis vor kurzem zierte sein Namen den Briefkopf (mit dem gestempelten Hinweis auf den neuen Job des darob beurlaubten Anwalts). Das kommt nicht nur den Österreichern merkwürdig vor. Die drei Weisen verweigern Böhmdorfer ausdrücklich den Persilschein, den sie den anderen FPÖ-Ministern so freigiebig ausgestellt hatten. "Das Verhalten des Justizministers (hat) Besorgnis ausgelöst."

Nicht so sehr die Bedenkenlosigkeit, mit der Böhmdorfer Haider zu Diensten ist, hat ihm diese einmalige Rüge eingetragen. Den Ausschlag gab die beschämende Haltung des Ministers, als Haider der Opposition drohte, sie könne aufgrund ihrer fortgesetzten Kritik ("Vernadern") strafrechtlich verfolgt werden: wegen Hochverrats, Verletzung des Amtseids, Verächtlichmachung der Republik. Alle Möglichkeiten sollten geprüft werden, polterte Haider auf einer Pressekonferenz, und der Minister neben ihm, um seine Meinung befragt, stammelte etwas von "akzeptabel", die Idee sei "verfolgenswert". Als später Journalisten des Falter ihn danach befragten, was er daran akzeptabel finde, rettete er sich ins unfreiwillig Komische: "Ich finde es akzeptabel, dass man so etwas akzeptiert. Ich finde, wenn man das Gegenteil diskutiert, ist es auch akzeptabel." Außerdem, meine Herren: "Ich bin jemand, der für die Enttabuisierung von Themen eintritt." Da ist der Rechtsstaat mit seinen Grundrechtstabus ja in guten Händen.

Showdown am 3. Oktober

Aber vielleicht hat Haiders Anwalt und Minister inzwischen selbst Grund zur Besorgnis. Dass er als Justizminister gemeinsam mit Haider, Riess-Passer und Westenthaler gegen André Heller klagt, hält er nach langem Nachdenken anscheinend für eine weniger gelungene Idee. Immerhin ist er der erste Justizminister, der sich persönlich in solche juristischen Raufhändel einlässt. Das fällt auf, ist mindestens eine Stilfrage, wie Juristen meinen, sicher aber instinktlos. Böhmdorfer jedenfalls schrieb Heller einen Brief mit einem Friedensangebot: Wenn der seine Beleidigungen zurücknehme, verzichte er auf die Klage. Da hat er gelacht, der Heller. Und sein Anwalt, Haider-Spezialist Daniel Charim, hat höflich abgelehnt.

Denn sie wollen daraus die große Auseinandersetzung machen. Für die charakterlichen Defekte, die Heller den Klägern in einem offenen Brief im Wiener Kurier, der drittgrößten Tageszeitung, vorgehalten hat, soll der Wahrheitsbeweis erbracht werden. Ein Fest für Voyeure.

Den inkriminierten Brief, ein Dokument der österreichischen Streitgeschichte, hatte Heller an den christdemokratischen Kulturstadtrat der Stadt Wien, Peter Marboe, gerichtet, einen liberalen Mann, den auch die Linke respektiert und der den Clinch mit der besonders reaktionären und in Wien oppositionellen Rathaus-FPÖ nicht scheut. Diesem von ihm geschätzten "Schwarzen" teilt Heller ausführlich mit, wie wenig er von Haider und den anderen hält. Und in entsprechend bildhafter Sprache äußert er sich zu deren seiner Ansicht nach "seelenhygienisch" sichtlich ramponierten Persönlichkeit (gegen wörtliche Zitate aus diesem Dokument sind die Betroffenen bisher jeweils umgehend gerichtlich vorgegangen, weshalb man von Kettenklagen sprechen könnte).