Was also tun? Zunächst müsste eine Selbstverständlichkeit erledigt werden. Durch eine unabhängige Kommission des Bundestages könnte die Datenschutzpraxis in Deutschland auf den Prüfstand gestellt werden - mit dem Ziel einer der digitalen Revolution angemessenen Reorganisation des Datenschutzes. Eine unabhängige Bundesstiftung Datenschutztest sollte Anlaufstelle der Bürger werden, die sich dort über die Vertrauenswürdigkeit informationstechnischer Produkte informieren könnten. Bildungspolitisch schließlich kommt es auf die Entwicklung einer Datenschutzdidaktik an, die Kindern und Jugendlichen eine gesunde "Kultur des Misstrauens" gegenüber Datenräubereien im Internet vermittelt.

Die Versöhnung zwischen dem Internet und der nach ganz anderen Maßstäben konstituierten demokratischen Bürgergesellschaft hat noch nicht einmal begonnen. Zu glauben, die neuen Online-Märkte könnten alles besser, verhöhnt die Demokratie. Gutes Regieren hat die demokratischen Bedürfnisse der auch weiterhin lokal verwurzelten Bürger mit ihren neuen Reiseinteressen hin zum virtuellen Weltbürgertum zum Ausgleich zu bringen. Sonst werden Historiker eines Tages beschreiben, wie infolge der digitalen Revolution am Ende des 20. Jahrhunderts eine zentrale Errungenschaft der bürgerlichen Revolution des 19. Jahrhunderts auf der Strecke blieb - die Privatheit.

Otto Ulrich ist Kuratoriumsmitglied der Europäischen Akademie zur Erforschung der technisch-wissenschaftlichen Entwicklungen in Bad Neuenahr-Ahrweiler, wo der promovierte Politologe eine Projektgruppe zum Thema "Kulturelle Beherrschbarkeit digitaler Signaturen" leitet. Von Ulrich erschien 1998 der Roman "Der Staatsbesuch"