Von all dem abgesehen, haben Gaddafi und Haider natürlich ein inhaltliches Anliegen gemeinsam: die "zionistische Herrschaft" zu bekämpfen. Haider versucht zwar, das Geplänkel zwischen den beiden, das im Mai dieses Jahres vom österreichischen Nachrichtenmagazin News aufgedeckt wurde, herunterzuspielen. Gaddafi aber pries auf Nachfrage von News Haiders Rolle in der österreichischen Politik und kritisierte die EU-Sanktionen: "Gibt es irgendein Gesetz, das besagt, dass man von einer zionistischen Herrschaft nicht loskommen darf? Hängen denn die Völker Europas von zionistischen Launen ab?" Und sein Sohn Saif, der in Wien studiert und den Kontakt zwischen Haider und Gaddaffi hergestellt haben will, wurde noch deutlicher: "Haider ist ein guter Politiker und hält zu seinem Volk. Die Schuld an seinem Ruf tragen allein die Juden. Die sind es, die ihn überall schlecht machen." Genau so, fuhr er fort, "verhält es sich mit meinem Vater. Sie sagen, er ist aggressiv und böse. In der Realität ist jedoch alles anders."

Bei so viel Gemeinsamkeit müsste eine ersprießliche Zusammenarbeit bevorstehen. Nach Darstellung von Gaddafi junior geht es bei der libyschen Haider-Connection freilich nur um harmlose Geschäftsbeziehungen. Er selbst, beteuert er, erwäge, in den Kärntener Holzhandel einzusteigen. Tatsächlich aber verfügt Vater Gaddafi schon seit Jahren über formidable Kontakte zur europäischen radikalen Rechten. Als Drehscheibe dafür wird immer wieder die Vereinigung "Deutsche Konservative" genannt, deren Ehrenvorsitzender der ehemalige Berliner Innensenator und CDU-Rechtsaussen Heinrich Lummer ist. Notorisch ist die Zuneigung des "Nationalpazifisten" Alfred Mechtersheimer, der inzwischen in die extreme Rechte abgeglitten ist, zum libyschen Regime. Diese Verbindung geht auf die achtziger Jahre zurück, als Gadaffi bei seinen Destabilisierungsversuchen des Westens noch mehr auf die Linke setzte. Sogar Otto Schily hat damals, an der Spitze einer Delegation der deutschen "Friedensbewegung", einmal in Gaddafis Wüstenzelt gesessen und dessen Ausführungen über den "Dritten Weg" gelauscht.

Jetzt drängt es Gaddafi offenbar wieder verstärkt, in der europäischen Politik mitzumischen. Mit seinem Sohn, der als smarter, westlich erzogener Businessman auftritt, verfügt er über einen idealen Strohmann. Seinen verwirrenden Manövern kommt zugute, dass die Fähigkeit westlicher Gesellschaften, zwischen Realität und Simulacrum, zwischen kurioser Performance und politischer Ranküne zu unterscheiden, im Schwinden begriffen ist.