Der Bericht: In diesem Papier der Weisen wäre vieles zu lesen, was äußerstes Erschrecken zulässt. Ich fürchte aber, dass nicht alle es so lesen. Jede Seite pickt sich heraus, womit sie sich identifizieren kann. Das Kapitel über die Justiz und den Minister Böhmdorfer müsste landauf, landab die Alarmglocken läuten lassen. Einige hoffen, dieser Bericht der Weisen ist ein Schlussstrich. Das Gegenteil wird der Fall sein. Es ist ein neuer Anfang, und der Prozess, den die FPÖ-Quadriga gegen mich angestrengt hat, wird eine herrliche Gelegenheit sein zu zeigen, wes Geistes Kind diese Herrschaften sind.

Der Prozess: Es gibt ein wollüstiges Verlangen der FPÖ-Führer, die Kritik abzuschaffen. Das ist ein klares Merkmal jeder Führerbewegung. Solange Haider und seine Kumpane nicht an der Macht waren, träumten sie davon, interne und externe Gegner auszuschalten. Jetzt, wo sie an der Macht sind, werden sie ganz ungehalten, dass es demokratische Regeln gibt, an die sie sich halten müssten, aber tragischer Weise nicht müssen, falls die Gerichte alle auf die Linie einschwenken, die sich im Pelinka-Prozess zeigt.

Mir geht es in diesem Epizentrum der Schlamperei, des Sich-Richtens und der Verdrängung, das Österreich heißt, um eine sehr genaue und unbestechliche Auseinandersetzung mit der unverfälschten Wirklichkeit. Wir wollen der Wahrheit Millimeter für Millimeter Boden erobern, nicht zuletzt in den Köpfen sehr vieler Junger, die Haider als eine Art Popstar missverstehen. Das wird knochenhart, aber mithilfe vieler kluger Verbündeter ist es zu schaffen. Ich freue mich darauf, aber nicht im Sinn einer traditionellen Wienerischen Hetz. Es geht um seriöse Arbeit, denn das ist die Möglichkeit, einmal alles ins helle Licht zu zerren, während die Hauptpersonen unter Eid stehen.

Diese Prozedur übersteigt bei weitem das, was die drei Weisen jemals tun konnten oder wollten. Die Weisen waren die erste Instanz. Mit diesem Prozess erfolgt der nächste Schritt. Hier kann man sich unbeeinflusst von dem Wunsch nach Aufhebung von Sanktionen auf den gefährlichen Charakter oder besser die Charakterdeformation der Haiderei konzentrieren.

Das Papier der europäischen Weisen stellt klar, dass die FPÖ eine demokratiegefährdende Organisation ist. Jetzt ist es an uns Österreichern, den Wahrheitsbeweis hiefür aktiv anzutreten. Wir sind es uns schuldig, dass wir selbst klaren Tisch machen. Wir nehmen den Satz, in dem von den "radikalen Elementen" in der FPÖ die Rede ist, und werden seine Richtigkeit im Detail und opulent belegen. Das fehlt nämlich in dem Bericht. Den Weisen lagen nicht alle Unterlagen vor, wir werden eine neue Aktenlage schaffen. Wir werden beweisen, dass es sich bei diesen "radikalen Elementen" um Haider selbst und um die ganze Parteiführung handelt, also auch um Frau Riess-Passer, die x-mal beteuert hat, wie sehr sie sich mit Haider identifiziert und um welche Lichtgestalt es sich bei ihm handelt. Frau Riess-Passer ist aus der Rippe des Haider gemacht und hat das immer enthusiastisch betont. Böhmdorfer genauso.

Die Lage: Der Zustand, in dem das Land sich befindet, ist ein hoch emotioneller, gewaltloser, geistig aber umso erbitterter geführter Bürgerkrieg. So etwas haben wir noch nicht erlebt, dass wir uns bei Begegnungen mit alten Bekannten insgeheim fragen: Wo steht der? Dass man so fühlt, dieses Misstrauen, diese Beklemmung - das ist in der Zweiten Republik ohne Beispiel und erschreckend.