Spitzen wir die Frage einmal für die Zukunft zu, dann lautet sie: Worin liegt die Legitimation für ein öffentlich-rechtliches Fernsehen, das durch Zwangsgebühren aller Fernsehzuschauer finanziert wird?

Weshalb ist diese Frage sinnvoll gestellt? Dafür gibt es zwei Gründe. Der erste Grund ist ein zunächst technischer: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Zahl möglicher Fernsehprogramme sich geradezu vervielfacht. Experten sprechen von 300, gar 400 Kanälen. Wenn dieser Zustand einmal erreicht sein sollte, könnte es doch sein, dass ein Zuschauer - warum auch nicht? - sagt: "Ich möchte gewiss gern fernsehen - aber bestimmt nicht die Programme von ARD und ZDF. Ich bin sogar bereit, meinen Apparat gegen deren Programme absolut sicher sperren zu lassen. Ich bin aber nicht bereit, deren Programme mit Zwangsgebühren zu bezahlen, obwohl ich sie weder anschauen will noch werde." Was gibt man diesem Manne zur Antwort - und zwar mit verfassungsrechtlicher Durchschlagskraft?

Zwischen Krimi und Komödienstadl, Symphoniekonzert und Volksmusik

Der zweite Grund, aus dem die anfängliche Frage sinnvoll zu stellen ist, ist ein programmatischer: Es ist - so, wie die Dinge sich entwickeln - nur eine Frage der Zeit, bis das öffentlich-rechtliche Fernsehen dem privaten Fernsehen in seiner "Quotengeilheit" immer ähnlicher wird. Die Gebühren für das öffentlich-rechtliche Fernsehen sollen aber nicht Quoten sicherstellen, sondern - Qualität. Was aber wird aus der Berechtigung der Gebühren, wenn die Qualität der Programme sinkt? Und muss nicht, wer in einen Quotenwettbewerb mit den privaten Fernsehveranstaltern eintritt, letztlich auch den Finanzierungswettbewerb zu gleichen Bedingungen in Kauf nehmen?

Diese Zukunftsfragen lassen sich klarer beantworten, wenn man sich die Vorgeschichte unseres dualen Fernsehwesens klarmacht. Am Anfang stand die "Stunde Null" der Bundesrepublik. Der Rundfunk, damals nur der Rundfunk!, hatte sich im "Dritten Reich" dem nationalsozialistischen Staat prostituiert; er war zum reinen Propagandainstrument geworden. Also hieß es für die Zukunft: Der Rundfunk (und später auch das Fernsehen) muss staatsfrei bleiben.

Sodann aber war man sich im Klaren darüber, dass der Rundfunk - wegen seiner sozusagen monopolartigen Struktur - gleichwohl von hoher Bedeutung für die öffentliche Kommunikation und für die demokratische Verfassung der Gesellschaft ist.

Also durfte er nicht in die Hände privater Kapitalgeber und Profitnehmer fallen, sondern er musste eben öffentlich-rechtlich organisiert und die Aufsicht von allen gesellschaftlich bedeutenden Gruppen zur gesamten Hand wahrgenommen werden.