DIE ZEIT: Sir Crispin, wie kam die britische Regierung auf die Idee, eine Task-Force zur Untersuchung der Meteoritengefahr einzurichten?

SIR CRISPIN TICKELL: Der vielleicht wichtigste Auslöser war eine Debatte im Unterhaus im März 1999. Am Anfang lachten die Leute über das Thema, aber am Ende wurden sie sehr ernst. Daher dachte Wissenschaftsminister Lord Sainsbury, eine Task-Force sollte sich die Sache genauer anschauen, das mögliche Risiko bestimmen und die Regierung beraten, welche Maßnahmen künftig zu ergreifen wären.

ZEIT: Kommenden Montag stellen Sie Ihren Bericht vor. Wie groß ist denn nun das Risiko, von einem Meteoriten erschlagen zu werden?

TICKELL: Eine genaue Quantifizierung ist schwierig. Das Problem dabei ist nicht so sehr ein Mangel an Information, sondern eher ihre enorme Fülle. Sie macht es schwer, sinnvolle Schlüsse zu ziehen. Lassen Sie mich Beispiele nennen: Im amerikanischen Pentagon erzählte man mir von einem kleinen Einschlag im Januar dieses Jahres, von dem wir in Europa gar nichts mitbekommen hatten. Damals explodierte ein etwa fünf Meter großes Objekt mit lautem Knall über dem Yukon, zerbrach in einem gewaltigen Lichtblitz in viele kleine Stücke und störte den Funkverkehr. In den vergangenen zehn Jahren gab es eine ganze Reihe ähnlicher Vorfälle, die in der Öffentlichkeit kaum bekannt wurden. Die wenigsten wissen auch, dass die Atmosphäre der Erde jeden Tag von Tausenden Tonnen Staub aus dem Weltraum getroffen wird.

ZEIT: Wie steht es mit größeren Einschlägen?

TICKELL: Das populärste Beispiel ist natürlich die Kollision des Kometen Shoemaker-Levy mit Jupiter im Jahr 1994, die einen Feuerball von der Größe der Erde erzeugte. Das war eine Warnung, sie zeigte den Menschen, was alles passieren kann. Auch auf der Erde gab es in diesem Jahrhundert große Einschläge, zum Beispiel 1930 im brasilianischen Regenwald, 1935 in Guyana und 1908 in Sibirien, als ein Objekt von rund 50 Meter Durchmesser über Tunguska explodierte. Wäre dieses Objekt nicht über der sibirischen Wildnis, sondern über London niedergegangen, hätte es die ganze Stadt bis zum äußeren Autobahnring eliminiert.

ZEIT: Ist das wirklich eine Gefahr, gegen die wir etwas tun können?