So etwas gab es bislang noch nicht: ein Buch über das Phänomen des deutschen Offiziers von der Kaiserzeit bis zur Bundeswehr. Auf originelle Weise haben Historiker, Militärexperten, Politologen, Germanisten und Kulturwissenschaftler diese "Willensmenschen" (eine Art "Gesamtkunstwerk") von allen Seiten abgelichtet.

Zur Kardinaltugend des Offiziers zählen seelische Härte, Gefühlskälte, eiserne Disziplin, kurzum: Mannestum. Angefangen hat diese Selbstbewertung in der Kaiserzeit, als ein Leutnant das umschwärmte Sinnbild eines "willensstarken" Mannes wurde und das Reserveoffizierspatent als höchste gesellschaftliche Weihe galt. Und gar nicht so selten war der Traum vom Tod fürs Vaterland als höchste sittliche Vollendung.

Nichts bleibt ausgespart - selbst die ein Jahrhundert lang heikle Sexualität des Offiziers wird analysiert, mit dem beruhigenden Schluss, dass er in der Bundeswehr nicht mehr um seine Identität fürchten muss, seit er nach dem Zapfenstreich (vier Uhr nachmittags) sogar einen Kinderwagen schieben darf. Ein Vergnügen bereiten die literarischen Betrachtungen. Lessings Major von Tellheim, Fontanes Rittmeister Schach von Wuthenow sowie Zuckmayers Hauptmann von Köpenick und des Teufels General dienen als Beispiel, wie die Offizierslaufbahn zur Fiktion gerät, die nicht mehr dem wirklichen Leben entspricht.

Ursula Breymayer/Bernd Ulrich/Karin Wieland (Hrsg.):Willensmenschen. Über deutsche Offiziere; Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt a. M. 1999; 240 S., 28,90 DM