Es gibt andere Tage, da fühlt sie sich im Wasser schnell und ist es nicht. Oder denkt, sie sei langsam, ist tatsächlich aber schnell, sodass ihr Einsatz, schneller zu werden, zu Verkrampfungen führt. "Das hängt von so vielen Dingen ab: Gedanken, die ich nicht loswerden kann, wie ich geschlafen habe oder gegessen. Wir sind eben keine Maschinen, die man ein- und ausschalten kann."

Vor gut zwei Jahren spürte Sandra Völker, dass seit langem schon ein mechanisches Element ihr Leben aushöhlte. Schwimmen machte keine Freude mehr. Plötzlich war nicht mehr sicher, ob sie in Sydney noch einmal um Gold über 100 Meter Freistil schwimmen würde. Sie fühlte sich ausgelaugt und leer. Ihr Körper lieferte im Schwimmbecken zwar noch die von ihm erwarteten Resultate ab, ihre Seele aber befand sich längst auf dem Trockenen.

"Ich wollte nicht mehr. Ich war definitiv an einer Grenze, wo ich gesagt habe, irgendetwas muss jetzt passieren. Es war einfach zu viel." Und der Mann, den sie liebte, bemerkte nicht, dass sie am Ende war: Dirk Lange, ihr Trainer, seit den Olympischen Spielen in Barcelona. Damals wollte sie über 100 m Rücken eine Medaille gewinnen und fing im B-Finale, an letzter Stelle liegend, noch im Wasser an zu weinen. Danach bot ihr Lange seine Trainingsmethode an: "Ich garantiere dir, dass du Erfolg haben wirst." Vier Jahre später gewann sie in Atlanta Silber über 100 Meter Freistil, Bronze über 50 Meter Freistil und in der Staffel.

Als Vierjährige wäre sie fast ertrunken

Sie hatte sich vom Rückenschwimmen auf Freistil umgestellt und sich in der Weltspitze etabliert. Doch nun, in diesen Monaten zwischen Sommerende 1997 und Frühjahr 1998 spürte sie mit wachsender Klarheit: Sie liebte Schwimmen nicht mehr. Lange registrierte nur, wie sie den Kommunikationskanal verschloss. "Da habe ich als Trainer mein Gefühl für Sandras Körpergefühl verloren", sagt er.

Sie verließ die Lebensgemeinschaft mit ihm und stieg aus dem Wasser, ein neues Lebensgefühl suchend. Das dauerte fünf Monate. Fünf Monate, in denen sie nicht mehr trainierte.

"Was mich heute wundert, ist nicht, dass ich es so lange ohne Schwimmen ausgehalten habe, sondern wie schnell die Zeit herumging", sagt sie. "Fünf Monate, in denen ich hätte schwimmen müssen, wären langsamer vorbeigegangen." So ein Bekenntnis zeigt nur, wie groß ihre Atemnot im Wasser damals geworden war, denn sie liebt Schwimmen über alles.