Gleichwohl verweist sie auf zwei zentrale Themen: Australien (dort beginnen heute die Olympischen Spiele) und das Auto (dessen Sprit- und Nacktnasenwombatzerstörende Wirkung nicht oft genug thematisiert werden kann). "LKW, Taxis und Bauern blockieren deutsche Städte" titelt die FR, ähnlich auch der Tagesspiegel und die FAZ. taz und SZ machen dagegen mit der Meldung auf, dass Innenminister Schily die Neonazigruppe "Blood an Honour" verboten hat. Die Welt hebt ein schönes Foto der Oper in Sydney auf den Titel (im Hintergrund die Olympischen Ringe), das Handelblatt klagt "Intervention der EBZ bleibt ohne Wirkung auf den Euro". Und was macht die Bild? "Nachdem die "Benzinaufstände" nun wunschgemäß ausgebrochen sind, belohnt sie die folgsamen LKW-Fahrer mit ein paar halbnackten Lekkerlis: "Big Brother - Erste Geheimvideos" (daneben viele Fotos), und: "Jenny zeigt ihr Baby-Bäuchlein" (darunter viel blondes Haar)."

Während in Frankreich, Belgien und England die Truck-, Trecker- und Taxifahrer schon wieder nachhause geradelt - nein: gefahren sind, rollen sie hierzulande erst richtig los: Im Emsland blockierten sie eine Raffinerie, in Hannover und Magdeburg die Innenstädte. Die Regierung haben sie dadurch noch nicht in Bewegung gebracht - nach wie vor weiß niemand, wo und wie Kanzler Schröder die versprochenen "sozialen Korrekturen" abtragen will. Zeit also einen räsonierenden Kommentare, zum Beispiel in der FR. CDU-Chefin Angela Merkel habe noch 1997 in einem Buch für eine Ökosteuer plädiert, steht dort zu lesen. "Doch was stört schon das Geschreibsel von gestern. Am politischen Abgrund darf man nicht zimperlich sein. Nun läuft die K.-O.-Kampagne gegen die Ökosteuer (...). Durchsichtige Strategie: Die Leute für dumm verkaufen, damit sie den Unsinn nicht bemerken, den die Union ihnen auftischt. Gerade ist der Sprit wieder vier Pfennig teurer geworden. Wie das, wo doch Schröder kein bisschen an den Steuern gedreht hat? Müssen wohl doch der Ölmarkt und die Multis gewesen sein, passt halt nur nicht ins Feindbild". Was aber draußen auf der Straße niemanden mehr interessiert, glaubt man der FAZ. Inzwischen sei der Punkt überschritten, an dem noch vernünftig diskutiert werden könne, schreibt der Kommentator. "Jetzt steht Schöder eine Kraftprobe bevor".

Die Kraftprobe mit den Rechtsradikalen hält unterdessen an. Gestern verbat Innenminister Schily die deutsche Sektion der "Blood an Honour"- Gruppe, die nach offiziellen Angaben 300 Mitglieder zählt und vor allem in der Musikszene aktiv ist. Bei einer bundesweiten Razzia in den Wohnungen der Anhänger beschlagnahmte die Polizei Propagandamaterial, Festplatten und "Sparbücher mit fünfstelligen Guthaben", wie auch die taz nicht hervorzuheben vergisst. Einhellig begrüßen die Kommentatoren der Tageszeitungen diese Maßnahme. Die SZ schreibt auf ihrer Meinungsseite: "Erfahrungen sind wie Schrot im Hintern: Wer noch nichts abgekriegt hat, glaubt nicht, dass es so etwas gibt. Es ist also höchste Zeit geworden, die Rechtsextremisten spüren zu lassen dass der Staat entschlossen handeln kann. Das Verbot der widerwärtigen Blood and Honour Division Deutschland ist also ein wichtiges Signal. Man solle solche Verbote nicht überschätzen. Aber: Sie sind der juristische Schrot, der dem Rechtsstaat zur Verfügung steht".

Wesentlich heterogener ist die Bewertung des jüngsten Manövers der Europäischen Zentralbank. Sie verkaufte Devisen im Wert von 2,5 Milliarden Dollar (was in Finanzkreisen als äußerst bescheidene Summe gilt), um den Kurs des Euro zu beleben. Nach Angaben des Handelssblatt stieg er am Donnerstag aber nur kurzfristig über 0,87 Dollar und fiel dann wieder auf 0,86 Dollar zurück. "An den Reaktionen zeigt sich, dass sie damit nur Verwirrung gestiftet hat, statt ein klares Signal zu setzen, dass sie nicht gewillt ist, einen weiteren Kursrückgang hinzunehmen", schreibt der Kommentator des Handelsblatts. "Also ist dies wohl eher ein halbherziger Versuch, die Finanzmärkte zu testen. Und man darf vermuten, dass dies auf politischen Druck hin geschah". Die Welt wirft ein, dass solche Aktionen zudem nicht in die Zuständigkeit der EBZ fallen: "Nicht zuletzt widerprechen Interventionen auch dem Selbstverständnis und den Aufgaben der Zentralbank. Sie verfolgt nicht das Ziel der Preisstabilität, nicht der Währungsstabilität." Die SZ hingegen ist froh, dass sich die EBZ überhaupt mal geregt hat: Damit habe sie klar gemacht, "dass nicht nur Schweigen Gold ist".

Das gilt für Sportjournalisten derzeit in erhöhtem Maße. Jede Zeitung bringt eine umfangreiche Berichterstattung über die bevorstehende Olympiade in Sydney. Wobei allenthalben die Hoffnung geäußert wird, dass die Spiele auch ein politisches Forum bilden werden, auf dem sich Nord- und Südkoreaner sowie Aborigines und australische Politiker ein Stück näher kommen. Nur die Bild-Zeitung, die seit jeher eine starke Präferenz für das Allzu-Konkrete pflegt, hält sich mit derlei Überlegungen nicht lange auf. Sondern fragt im Sportteil: "Wer holt unser erstes Gold?" - und zwar direkt über einem Foto von "Goldfisch" Franziska von Almsick. Morgen tritt sie in der 4x100-Meter-Staffel an, und zwar mit einem Gesicht, das sie zuvor, wie der investigative Trainingsbericht der Bild vermeldet, sorgsam mit "Oil of Olaz" gepflegt hat. Was zumindest ihre Nacktnase wombatmäßig erstrahlen lassen wird. Nun muß sie nur noch schneller sein. Viel Glück!

ausgewertet: FAZ, FR, SZ, Welt, Bild, Tagesspiegel, taz, Handelsblatt

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