Ganz eindeutig: Die olympischen Spiele haben begonnen, und die Zeitungen in Deutschland, haben diese auf die Titelseiten gehievt. Daneben regiert immer noch die neue Ölkrise die Schlagzeilen.

"Jubel und Trauer zum Olympia Auftakt" titelt "Die Welt", etwas knapper die "Bild" mit "1. Gold, 1. Tränen, 1. Skandal", während die "Frankfurter Rundschau" die mysteriöse Aussage trifft: "Der Flossenfuss oder: Einer krault, die anderen saufen ab." Gemeint ist der australische Schwimmer Ian Thorpe, der mit Schuhgröße 51 bisher zwei Goldmedaillen im Wasser erringen konnte.

Das "Handelsblatt" hat zwar auch einen Olympia Service, titelt aber lieber: "Lufthansa plant Börsengang ihrer E-Business-Töchter". Die FAZ schreibt "Der peruanische Präsident Fujimori kündigt seinen Rücktritt an". Eine Entscheidung, die auch die TAZ zu einer Schlagzeile inspiriert hat, bei der die Redaktion der "Bild" vor Neid erblassen müsste. "Perus Präsident Fujimori futsch." An erster Stelle behandeln TAZ und SZ aber erneut die Ölkrise in Europa. "Koalition streitet über Ausgleich für Spritpreise" steht vorne auf der SZ und die TAZ kommentiert "Rutschgefahr für Rot-Grün". Denn offensichtlich ist der Ärger von Spediteuren, Pendlern, Taxifahrern und Bauern noch nicht ganz verraucht. Jetzt muß dringend jemand gefunden werden, der an dem ganzen Debakel Schuld haben könnte.

Die "Frankfurter Rundschau" zeigt sich dabei findig: Die ehemalige Koalition aus CDU und FDP soll den Zorn der Massen verursacht haben. "Gerade die Polit-Dealer von Union und FDP, die nun die K.-o.-Kampagne durchzocken, haben in den Zeiten des Billig-Öls kläglich versagt, indem sie uns die Entziehungskur etwa durch Ökosteuer, Bahnausbau und Wärmedämm-Programm versagten.".

Dank "Auto-Kanzler" Gerhard Schröder und seinem Koalitionspartner hat sie nun begonnen, die "Öko-Entziehungskur", und die SZ sieht den Kanzler mit der Ankündigung, die Kilometerpauschale zu erhöhen, wackeln, aber nicht weichen. Würde er auch nur ein Jota von der bisherigen Politk abrücken, könne er die Koalition direkt aufgeben, da der Zorn der grünen Basis über ihn kommen würde, orakelt die SZ. Doch eben diese "Grünen" sieht die Zeitung in einer ganz anderen, weitaus unangenehmeren Situation. "Die Grünen geraten damit einmal mehr in eine ziemlich missliche Lage. Die ökologisch unsinnige PKW-Pendler-Pauschale ist für sie schwer zu verdauen. Gelingt es der Öko-Partei nicht, dem Finanzminister dafür wenigstens ein Zuckerl für die Bahnkundschaft abzuhandeln, dann werden die Grünen in der Koalition endgültig auf die Rolle des Beifahrers reduziert, der zwar die Landkarte lesen, aber nicht bestimmen darf, wohin die Reise geht." Die Damen und Herren um Joschka Fischer könnten sich also auf das olympische Motto "Dabei sein ist alles" verlegen, womit nach der gescheiterten Bewerbung Berlins um die olympischen Spiele wenigstens ein bisschen von deren Geist durch das Regierungsviertel wabern würde.

Deutlich überraschter reagieren die Kommentatoren auf einen Beschluss der FDP. Die hat auf ihrem gestern beendeten Sonderparteitag in Berlin entschieden, das es an der Zeit sei, die Wehrpflicht auszusetzen. Dabei will die FAZ erkannt haben, dass es gar nicht um die Wehrpflicht geht, sondern nur um die Profilierungssucht des FDP Landesvorsitzenden aus NRW, Jürgen Möllemann. Der lässt kaum einen Tag vergehen, "..ohne sich zum Kanzlerkandidaten zu erklären. Möllemann hat beschlossen, sich an die Macht zu nerven ..." stöhnt die Frankfurter Allgemeine. Die Süddeutsche hat etwas anderes festgestellt: "Nach den Grünen und der PDS ist die FDP die dritte Partei in der politischen Landschaft der Bundesrepublik, die sich somit von der Wehrpflicht verabschiedet. Aber sie ist die erste bürgerliche Partei, die aus der Mitte des Parteienspektrums heraus eine Freiwilligen-Armee fordert. Insofern hat ihre Entscheidung eine über den Tag hinaus weisende gesellschaftspolitische Bedeutung ...". Doch halt, nicht um die Abschaffung sondern um eine Aussetzung der Wehrpflicht geht es hier, oder? "Die Welt" weiß die Antwort, nach dem man den Fraktionsvorsitzenden der Liberalen, Hans Otto Solms, interviewt hat, der scharfzüngig in die Mikrofone schnarrte "Der Antrag auf Aussetzung ist nichts anderes als ein warmgeduschter Antrag auf Abschaffung der Wehrpflicht". Jürgen W. Möllemann sagte auch was zu den Journalisten, weiß dieselbe Zeitung zu berichten. Allerdings hat er da so seine Eigenart, Reporter listig zu verwirren: "Sie haben das Ziel, die FDP zweistellig zu machen", setzt ein Journalist zur Frage an. "Nicht zweistellig. 18 Prozent", unterbricht ihn Möllemann. Auch zum Thema Wehrpflicht äussert sich der Politiker und versucht, etwaige Sorgen der Bevölkerung abzumildern. Eine Freiwilligenarmee sei "... keine Ansammlung von Saufköppen, Hurenböcken und Dösbaddeln".

Soviel Wortwitz erinnert einen daran, daß am Wochenende auch die "Zlatko" Nachfolger ihr neues Blech-Domizil bezogen haben. Zwölf Menschen, die offenbar mit sehr viel Zeit ausgestattet sind, wollen sich die nächsten 106 Tage gegenseitig aus "Big Brother" Haus herausmobben. Ob den Kandidaten schon vorher klar war, das Boulevardjournalisten, einmal von der Leine gelassen, wirklich alles finden, was man sich in seinem Leben so an Peinlichkeiten geleistet hat? Marion wird es herausfinden, denn die Dame, die seit Samstag im "Big Brother" Haus lebt, ziert heute, bar jeder Kleidung, die Titelseite der "Bild". "Marion, sehen wir Dich genauso nackt wie hier?" geifert das Blatt. Sex macht Quote, in Deutschland genauso wie in Sydney.