"Euro wird weltweit zum Problem. IWF empfiehlt Eingreifen" schreibt der Tagesspiegel auf dem Titel. Das Handelsblatt: "Die Devisenmärkte nehmen den Euro wieder in die Zange". Auch "Die Welt" beschäftigt sich mit dem internationalen Währungsfond: "IWF: Hoher Ölpreis gefährdet die Weltkonjunktur". Die "Bild" Zeitung hat wie oft plakativ formuliert. "Titanic-Euro...er sinkt, und sinkt." Die FAZ und die Frankfurter Rundschau beschäftigen sich noch einmal mit der Ökosteuer und der Kilometer-Pauschale. "Steuerausfälle in Milliardenhöhe zum Ausgleich der Energiekosten" beklagt die FAZ, während die FR nüchtern feststellt: "Rot-Grün peilt neue Pendler-Pauschale an." Die Süddeutsche hat heute mal die Juristen auf die Seite Eins gelassen.: "Jahrhundertreform des Bürgerlichen Gesetzbuches - Verbraucher bekommen mehr Rechte". Die TAZ schießt sich weiter auf Hessens Ministerpräsident Roland Koch ein: "Koch, der Serientäter" heißt es groß auf dem Titelblatt.

Der Euro zaubert mittlerweile tiefe Sorgenfalten nicht nur in die Gesichter der deutschen Politiker. Das Handelsblatt schreibt: "IWF Chefökonom Michael Mussa (sprach sich) gestern überraschend deutlich für eine konzentrierte Aktion mehrerer Notenbanken zur Stützung des Euros aus." Offenbar traut man der EZB alleine nicht mehr zu, die Währung in den Griff zu bekommen. Deutsche Politiker reagierten beleidigt. Das Handelsblatt weiter: "Der IWF solle sich mit Ratschlägen über möglich Interventionen (...) zurückhalten, hieß es in Regierungskreisen. Mussa solle sich auf seine Aufgaben konzentrieren." Dem Tagesspiegel gefällt die Einmischung auch nicht: "Klug ist ein solcher Rat nicht." Der Kommentator gibt aber zu Bedenken: "(Es) (...) könnte auch das Alarmsignal für die Europäer sein, den Weg struktureller Reformen beherzt anzupacken ..." Doch von Panik ist in den Zeitungen nichts zu lesen. Selbst die "Bild" verkneift sich weitere Angstschübe und stürzt sich lieber noch mal auf die Öko-Steuer. "Alter Wein in neuen Schläuchen" titelt der Kommentar. Es geht um die Kilometer-Pauschale, die die Bild-Redakteure zu Akneanfällen treibt. "Was für ein komplizierter Umweg! Wer an die zusätzlichen Verwaltungskosten denkt, kriegt schon Pickel. Wäre es nicht günstiger gewesen, die Spritsteuer gleich zu senken?" Unsinnig findet auch die Frankfurter Rundschau die Pauschale und empfiehlt: "Die Pauschale sollte also bestenfalls befristet erhöht werden. (...) Oder wie wäre es mit einem unkonventionellen Vorschlag, statt dessen Fernpendler den Kauf von Fünf-Liter-Autos mit einem Berliner Zuschuss schmackhaft zu machen?". Die FAZ wettert: "Es hat auch niemanden eingeleuchtet, daß die von dieser Bundesregierung absichtsvoll mit herbeigeführte Verteuerung des Autofahrens jeder Korrektur unzulänglich sein sollte." Eine Lösung des Problems fällt dem Kommentator aber auch nicht ein.

Der finanziell chronisch klammen TAZ gehen anscheinend die Kommentatoren aus. Deshalb dürfen heute mal fünf elf- bis siebenjährige Kinder die Spalten füllen. Einhellig die Meinung der Kinder über Autos: "Ich würde viele autofreie Zonen einrichten oder Autos ganz verbieten" schimpfen Camilla, Marie, Helena und Rebecca. Paul (7) würde gerne Städte bauen wo "(...) die Autos Slalom um Hindernisse fahren müssen oder auch nur Fahrräder fahren dürfen." Einig sind sich die Jung-Kommentatoren allerdings in einer Sache: "Wenn ich Kanzler wäre, würde ich Eltern sagen, das sie vorsichtig mit ihren Sprösslingen umgehen sollen, also dass sie sie nicht hauen und nicht beschimpfen sollen." Den Vorschlag hat Familienministerin Bergmann schon länger im Kopf. Deshalb startet sie nun eine bundesweite Kampagne, die Eltern zum Nachdenken anregen soll. Weil sie weiß, das Worte alleine nicht helfen, will sie auch gleich das "Gesetz zur Ächtung der Gewalt in der Erziehung" im September im Bundesrat präsentieren. Eine gute Idee, bescheinigen die Tageszeitungen. Die "Frankfurter Rundschau" schreibt: "In Deutschland sei körperliche und seelische Gewalt an der Tagesordnung, stellte Christine Bergmann fest. Vier von fünf Kindern berichteten über Ohrfeigen, 30 Prozent würden nach eigenen Angaben geschlagen. "Viel zu lange galt der Spruch, dass eine Tracht Prügel noch niemandem geschadet hat. Das ist falsch", betonte sie." Die CDU geführten Länder sehen das anders und befürchten, daß das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wird: "Die Unionsländer machen Bedenken geltend, Eltern könnten für "angemessene leichte körperliche Zurechtweisungen in zugespitzten Erziehungssituationen" kriminalisiert werden. (...) Als Gewalt stigmatisiert würde schon "ein festes Zupacken am Arm" oder die "Drohung mit einem Klaps", fürchten Hessen und andere Länder." Die Welt hält dagegen: "Es geht nicht um die Verfolgung von Vätern und Müttern, die mal die Nerven verlieren. Es geht darum, Gewalt als systematisches Erziehungsmittel zu ächten, was in einer zivilisierten Gesellschaft selbstverständlich sein sollte."

Am Schluß noch einmal Sydney. Was wären die olympischen Spiele, ohne jene Teilnehmer, die zwar hoffnungslos unterlegen sind, aber dennoch ihre Leistung abliefern. Nein, Franziska van "Alm-sink" (Hamburger Morgenpost) und die anderen "Schwimm-Zicken" (Bild Zeitung) sind ausnahmsweise nicht gemeint. Vielmehr Herr Eric Moussambani, Vertreter des Nationalen Schwimmverbandes Äquatorialguineas. Obwohl er in seiner Heimat noch nie so weit, und schon gar nicht so lange geschwommen war, sprang er todesmutig ins olympische Becken und ging die 100 Meter Freistil an. Seine Zeit war gigantisch schlecht und fast wäre es um ihn geschehen, wie die Welt zu berichten weiß: "Am Ende gab Moussambani japsend zu, dass die Befürchtungen, er könnte auf der letzten Bahn ertrinken, nicht ganz unberechtigt gewesen seien. Nur mühsam konnte Moussambani am Ende den Kopf über Wasser halten." Der Freude des Publikums tat das keinen Abruch. Kaum zuvor war ein Schwimmer derartig angefeuert worden, wie Moussambani. Letzter ist er auch nicht geworden. Seine beiden Mitkonkurrenten im Vorlauf wurden wegen Fehlstarts disqualifiziert. So macht Olympia 2000 wieder Spaß.

ausgewertet: FAZ, FR, SZ, Welt, Bild, Tagesspiegel, taz, Handelsblatt

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