Zunächst einmal möchte man - der weiland König August von Sachsen lässt grüßen - seufzen: Ihr seid mir schöne Marktwirtschaftler! Wenn es der Preis ist, der Knappheiten eines Gutes ausdrückt, und auf diese Weise die Güterströme gelenkt (oder umgelenkt) werden - wie soll dann der Staat die Aufgabe zugewiesen bekommen, die Lenkungsfunktion zu aufzuheben, ja zu konterkarieren? Und wenn es um Weltmarktpreise geht - wie soll ein einzelner Nationalstaat imstande sein, einen solchen Versuch auch noch erfolgreich zu unternehmen? Wenn eine Opposition (die sich doch die Marktwirtschaft aufs frühe Erfolgspanier geschrieben hat) das Gegenteil suggeriert, und eine Regierung, die sich eher zögernd als rein marktwirtschaftlich orientiert präsentieren will, sich gegen diese Zumutung nicht ausdrücklich wehrt, dann fällt einem eben der August von Sachsen ein.

Sodann: Der Euro und sein sinkender Kurs (und natürlich das halb-brüchige Kartell der Förderländer) bestimmen den aktuellen Ölpreis kräftiger als die sechs Pfennig Öko-Steuer pro Liter. Der Euro ist nun schon die gemeinsame Rechungseinheit der Europäer nach außen. Wenn man aber in Europa eine Währung hat: Wie kann man dann gegenüber demselben Phänomen - also den auch währungspolitisch bedingten Preissteigerungen - (steuer-)politisch unterschiedlich reagieren, ohne zusätzliche Verzerrungen auszulösen? Wo es doch die langfristig logische Folge der gemeinsamen Währung sein müsste, dass die bisher unterschiedlichen Politiken sich spätestens unter dem Druck des Marktes harmonisieren? Aber wenn das stimmt, kann man dann überhaupt eine nationale Öko-Steuer einführen? Ja, wenn (und nur wenn) ihre Logik ganz aufgeht: Dann nämlich, wenn die zusätzliche steuerliche Belastung der Energie tatsächlich den Faktor Arbeit so kräftig zu entlasten hilft, dass neue Arbeitsplätze und die dadurch verringerten Kosten der Arbeitslosigkeit die Volkswirtschaft insgesamt wettbewerbsfähiger machen. Aber diese Logik kann jedenfalls dann nicht aufgehen, wenn man die Öko-Steuer nun unter politischem Druck auch noch durchlöchert, wie jenes Sieb, durch das alles zerrinnt - auch der politische Erfolg.