Alle vier deutschen Mobilfunkbetreiber bieten Verkehrsansagedienste. Sie funktionieren unterschiedlich. Bei Tegaron von T-D1 kann man sich alle Verkehrsbehinderungen aus dem Umkreis ansagen lassen. Der Dienstleister ermittelt dabei anhand der Funkzelle den Aufenthaltsort des telefonierenden Autofahrers. Nachteil: Es werden auch Staus gemeldet, die nicht auf der Strecke liegen.

Präziser wird die Tegaron-Ansage, wenn man die Himmelsrichtung der Fahrt angibt. Aber auch dann werden Staus auf Autobahnen genannt, die nicht auf der Route liegen. Sobald sich bei einem Stau etwas getan hat, ruft der Dienstleister eine Stunde lang zurück. Das auch bei D1 nicht gerade preiswerte Gebimmel nervt aber schon nach 30 Minuten, weil sich die Ansagen wiederholen.

D2 ermöglicht das persönliche Gespräch mit dem Operator, billiger wird es per Computer (Passo Voice) oder per SMS. Der D2-Dienstleister Passo ist technisch einen Schritt weiter: Man kann über die Straßennummer gezielte Informationen für Autobahnen und Bundesstraßen abrufen, möglich sind nach der Eingabe zweier Postleitzahlen auch Toureninfos. Vor allem an Pendler und Vielfahrer richtet sich der Dienst »D2 Passo Traffic Daily«. Dabei kann man bis zu 10 Touren eingeben und wird zu einem wählbaren Zeitpunkt über die Verkehrslage informiert. Den Service kann man auch im Internet unter www.passo.de einrichten, bis zum 30. September 2000 gibt es ihn kostenlos.

Und wenn der Stau sich auflöst ...

Während D1 exklusiv die Dienste von Tegaron anbietet, sind Passo-Infos sowohl bei D2, E-Plus und bei Viag-Interkom zu hören. In allen Mobilfunknetzen erreicht man die Stauinformationen des ADAC. Der Autofahrer-Club hält sich zugute, mit 75 000 als »Staumelder« dienenden Mitgliedern besonders zutreffende Informationen zu liefern. Der persönliche ADAC-Verkehrsservice ist mit 2,83 Mark pro Minute ähnlich teuer wie der Passo-Berater, eine preisliche Alternative ist aber die automatische Ansage des ADAC. Die gibt es zu den internen Mobilfunkgebühren plus einmalig 99 Pfennig. Dabei kann man auch beim ADAC Informationen über einzelne Straßen abrufen. D1-Partner-Tegaron plant diese Funktion im Herbst für Autobahnen.

Ob die Angaben der kostenpflichtigen Hotlines besser sind als beispielsweise die Verkehrsdienste im Hörfunk, bleibt offen. Die Stifung Warentest hat sich des Themas noch nicht angenommen, weil ein Vergleichstest zu aufwändig wäre. Das Dienstleistungsunternehmen Dekra stellte in einem Test Tegaron und Passo ein Qualitätssiegel aus. Die beiden Anbieter würden Staus mit einer Verzögerung von 20 Minuten melden, der ADAC brauche 25 Minuten, der Hörfunk 45 Minuten. Vorteil von Tegaron und Passo: Die Unternehmen greifen auf die Daten der Düsseldorfer Gesellschaft für Verkehrsdaten zurück. Und die unterhält 3600 Staudetektoren an deutschen Autbahnbrücken. Die Infrarotmessgeräte melden Geschwindigkeit und Zahl der vorbeifahrenden Fahrzeuge und ermitteln daraus Änderungen im Verkehrsfluss. Die Dienstleister nehmen für sich in Anspruch, mit dieser Technik vor allem auch Staus schneller abzumelden, als es die kostenlosen Hörfunkdienste tun. Laut Dekra melden Tegaron und Passo nach 27,3 Minuten freie Fahrt, der Hörfunk nach 57,3 Minuten.

Zweifel am Nutzen der Hotlines bleiben. Beim Auto Club Europa (ACE) etwa zögert man, solche Dienste seinen Mitgliedern an zu bieten. Der Grund: Aktuelle Verkehrsinfos gebe es überall, nicht nur im Radio, auch im Internet, beispielsweise unter www.verkehrslage.de. »Warum«, fragt ACE-Spracher Rainer Hillgärtner, »sollen sich Autofahrer für teures Geld etwas bestätigen lassen, was sie schon wissen?« Richtig Sinn machten die Verkehrsinfos erst, wenn sie automatisch in die Navigationssysteme einfließen. Daran arbeitet die Industrie derzeit. Tegaron etwa will Ende des Jahres Verkehrsdaten in Kleincomputer, so genannte Handhelds, einspeisen. Der Preis für »Tegaron Scout« soll »autofahrerfreundlich« sein und bei 2 Mark pro Route liegen.