Auch wenn Bauern- und anderen Wetterregeln mit Vorsicht zu begegnen ist - diese stimmt, zumindest in unseren Breiten. Und der Bote kündet keine absolute Wahrheit, sondern Wahrscheinlichkeit.

Die Erklärung liefert Hartmut Graßl, Direktor des Max-Planck-Instituts für Meteorologie: Wenn der Abendhimmel flammend rot leuchtet, dann bedeutet das zunächst einmal, dass wir freie Sicht zum westlichen Horizont haben. Dort bringt die Sonne Partikel in der Luft zum Leuchten. Da bei uns meist der Westwind vorherrscht, heißt das: Es ziehen von Westen keine Wolken herauf, die schlechtes Wetter mit sich bringen. Wenn das rote Sonnenlicht außerdem noch ein paar Wolken direkt über oder östlich vom Betrachter beleuchtet, dann sind das allenfalls abziehende Regengebiete, die mit dem Wetter von morgen nichts zu tun haben.

Umgekehrt ist es beim Morgenrot: Ein wolkenfreier Osten spielt für die Wetterentwicklung keine große Rolle. Wenn morgens der ganze Himmel flammend rot erleuchtet ist, dann strahlt die Sonne schon die ersten Zirruswolken im Westen an, die Vorboten einer Regenfront.

Das alles gilt, wie gesagt, nur bei Westwind. Der herrscht aber bei uns längst nicht das ganze Jahr vor. Im Mai ist es sogar umgekehrt - dann nämlich weht der Wind vorwiegend aus Osten, und das Abendrot kann durchaus ein Schlechtwetterbot sein. Christoph Drösser

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