Die Gewerkschaften hingegen begrüßen den Vorstoß. "Wir haben jahrelang über Arbeitsumverteilung gesprochen", sagt Helga Nielebock aus der DGB-Abteilung Arbeitsrecht. "Jetzt geht es darum, das zu realisieren." Zumal die EU schon 1997 eine Richtlinie zur Teilzeit verabschiedet habe, die im Rahmen der europäischen Beschäftigungsstrategie entstand. Darin werden die Mitgliedsstaaten aufgefordert, eine Diskriminierung von Teilzeitkräften zu unterbinden.

Dieser Vorschrift will das Arbeitsministerium mit seinem Gesetzentwurf ebenfalls gerecht werden. Denn bislang ist Teilzeitarbeit vor allem Frauensache. 87 Prozent der Menschen, die einen solchen Vertrag haben, sind weiblich. Oft sind die Jobs schlecht bezahlt. Und: Die meisten davon gibt es im Dienstleistungsbereich. Im Handel etwa ist fast die Hälfte der Mitarbeiter teilzeitbeschäftigt, bei der Post sind es rund ein Drittel.

Doch mit dem Image des Marginalen soll nun Schluss sein. Das geplante Gesetz will Teilzeitarbeit auch Männern schmackhaft machen. Insbesondere Führungskräfte und qualifizierte Mitarbeiter sollen ausdrücklich die Chance bekommen, ihre Arbeitszeit zu reduzieren - auf Wunsch auch nur um wenige Stunden. Und grundsätzlich sollen freie Arbeitsplätze alternativ als Teilzeitjobs ausgeschrieben werden.

Eine repräsentative Studie des Kölner Instituts zur Erforschung sozialer Chancen hat ergeben, dass derzeit 40 Prozent der vollbeschäftigen Frauen und 10 Prozent der Männer gern auf Teilzeitarbeit umsteigen würden. Und dass der Wunsch nach kürzeren Arbeitszeiten umso größer ist, je höher das Einkommen ist. Denn weniger zu verdienen kann sich nicht jeder leisten. Ob all diese Menschen tatsächlich reduzieren würden, ist dennoch fraglich. Viele befürchten einen Karriereknick, wenn sie ihren Chef darauf ansprechen. Das neue Gesetz will da Vorsorge treffen. Wenn eine Teilzeitkraft wieder aufstocken möchte, soll der Arbeitgeber das möglich machen. Er muss den Mitarbeiter über frei werdende Vollzeitstellen informieren. Auch der Betriebsrat soll ein Auge darauf haben, dass entsprechende Wünsche berücksichtigt werden.

Möglichst noch im September will sich Walter Riester mit seinen Kabinettskollegen über den endgültigen Entwurf einigen. Bis Dezember muss das Gesetz dann das Parlament passieren, um zum 1. Januar 2001 in Kraft zu treten. Die Arbeitgeber fühlen sich von dem Tempo überrumpelt. Und sind fest entschlossen, massiv Front gegen den Riester-Entwurf zu machen. Roland Wolf: "Die Schlacht beginnt."