Sie war noch sehr jung, als sie verheiratet wurde. Die Gründe dieser Ehe waren dynastischer Art, und für sie gab es keine andere Möglichkeit, als sich zu fügen. Aber die Ehe mit einem nur wenige Jahre älteren Fürsten entwickelte sich für sie von Anfang an unglücklich.

Schuld daran war die Mätresse des alten Kurfürsten, die um ihre einflussreiche Stellung fürchtete und nun gegen die junge Landesherrin intrigierte. Was der jungen missfiel und womit sie sich nicht abfinden wollte, war die Tatsache, dass ihr Gemahl gegen die Intrigen nichts unternahm, sondern alles so laufen ließ. Das enttäuschte sie sie fühlte sich betrogen, ja verletzt, und sie wollte das nicht einfach hinnehmen.

Und dann verliebte sie sich in einen ebenfalls noch jungen Offizier, der ihr den Hof machte, heimlich und größtenteils nur auf Papier. Sie schrieben einander viele lange Briefe, teilweise in Geheimschrift, und den darin erwähnten Personen gaben sie Decknamen oder Nummern.

Dabei kam es häufig zu Fehlern und Missverständnissen, zumal sie die Briefe häufig in großer Eile schreiben mussten, um nicht entdeckt zu werden.

Doch mussten die Liebenden schließlich einsehen, dass ihr Verhältnis, das sich über Jahre hinzog, auf Dauer kein Geheimnis bleiben konnte.

Deswegen entschlossen sie sich zur Flucht in ein anderes Land. Aber das Vorhaben wurde entdeckt, und ihr Geliebter blieb seit jener Nacht spurlos verschwunden. Und selbst sie wurde in Verbannung geschickt, nachdem ihre Ehe gelöst worden war und man ihr die Kinder genommen hatte, eine Tochter und einen Sohn.

Einige Jahre später schrieb sie an den regierenden Kurfürsten, ihren Exgemahl, einen langen Kondolenzbrief: Mein Herr! Ich gebe mir die Ehre, an Ew. kurfürstliche Hoheit zu schreiben, um Ihnen zu versichern, dass ich aufrichtigen Anteil nehme an der Trauer, die Sie über den Tod des Herrn Kurfürsten, Ihres Vaters, empfinden. Ich bitte Gott, dass er Sie tröste, und dass er Ihre Regierung mit seinen kostbarsten Gnadengaben segne und Ew. kurfürstliche Hoheit mit Glück aller Art begnade.