Diese Wünsche werde ich mein ganzes Leben lang für Sie hegen, und ich werde mich niemals darüber trösten, Ihnen missfallen zu haben. Ich beschwöre Sie, mir Verzeihung für meine früheren Vergehen zu gewähren, worum ich Sie noch einmal auf den Knien von ganzem Herzen bitte. Der Schmerz, den ich darüber empfinde, ist so lebhaft und so bitter, dass ich es nicht sagen kann. Die Aufrichtigkeit meiner Reue darf Verzeihung von Ew. kurfürstlichen Hoheit erhalten, und wenn Sie mir als Gipfel Ihrer Gnade gütigst gestatten wollten, Sie zu sehen und unsere teuren Kinder zu umarmen, so würde meine Dankbarkeit für so ersehnte Gunstbeweise unbegrenzt sein, da ich nichts glühender wünsche als diese Genugtuung, worauf ich zufrieden sterben würde. Inzwischen hege ich tausend gute Wünsche für Ihre Erhaltung und Ihr Wohlergehen und bin in tiefster Unterwürfigkeit und Hochachtung Ew. Kurfürstlichen Hoheit ganz ergebene und gehorsame Dienerin ...

Am selben Tag schrieb sie auch der Witwe des in der Nacht zuvor verstorbenen Kurfürsten: Madame! Es entspricht meiner Pflicht sowie meiner Neigung, Ew. kurfürlichen Hoheit zu versichern, dass es niemanden gibt, der mehr als ich Anteil an dem Schmerz nimmt worin der Tod des Herrn Kurfürsten, Ihres Gemahls, Sie versetzt hat. Ich bitte Gott von ganzem Herzen, Madame, dass er Sie trösten und Ew.

kurfürstlichen Hoheit noch eine lange Reihe von Jahren in Glück und guter Gesundheit gewähren möge.

Ich beschwöre Sie noch einmal, mir alles das zu verzeihen, was ich getan habe und was Ihnen missfallen haben kann,und sich ein wenig für mich bei dem Herrn Kurfürsten, Ihrem Sohn, zu verwenden. Ich flehe Sie an, mir die Verzeihung zu gewähren, die ich so schmerzlich ersehne und mir zugestatten, meine Kinder zu umarmen.

Mein höchster Wunsch wäre es auch, Madame, Ew. kurfürstlichen Hoheit die Hände zu küssen, bevor ich sterbe. Wenn Sie mir diese Gunst gewährten, würde ich von tiefster Erkenntlichkeit durchdrungen sein. Ich flehe Sie an, mir die Ehre zu erweisen, zu glauben, dass nichts der unbegrenzten Hochachtung gleichkommt, womit ich bin Ew. Kurfürstliche Hoheit Dienerin.

Als sie diese Briefe schrieb, in denen sie so sehr um Vergebung bat, war sie 31 Jahre, und die Affäre mit dem Offizier, der wohl ermordet und beseitigt worden war, lag 3 Jahre zurück. Aber sie blieb noch fast 30 Jahre verbannt.

Wer war's?