Denn sie wollen daraus die große Auseinandersetzung machen. Für die charakterlichen Defekte, die Heller den Klägern in einem offenen Brief im Wiener Kurier, der drittgrößten Tageszeitung, vorgehalten hat, soll der Wahrheitsbeweis erbracht werden. Ein Fest für Voyeure.

Den inkriminierten Brief, ein Dokument der österreichischen Streitgeschichte, hatte Heller an den christdemokratischen Kulturstadtrat der Stadt Wien, Peter Marboe, gerichtet, einen liberalen Mann, den auch die Linke respektiert und der den Clinch mit der besonders reaktionären und in Wien oppositionellen Rathaus-FPÖ nicht scheut. Diesem von ihm geschätzten "Schwarzen" teilt Heller ausführlich mit, wie wenig er von Haider und den anderen hält. Und in entsprechend bildhafter Sprache äußert er sich zu deren seiner Ansicht nach "seelenhygienisch" sichtlich ramponierten Persönlichkeit (gegen wörtliche Zitate aus diesem Dokument sind die Betroffenen bisher jeweils umgehend gerichtlich vorgegangen, weshalb man von Kettenklagen sprechen könnte).

Jetzt soll bewiesen werden, wie weit das Führungspersonal der FPÖ tatsächlich "heruntergekommen" ist. Zeugen gäbe es genug, nicht zuletzt ehemalige FPÖ-Funktionäre, die über das Innenleben der Führerpartei auspacken könnten.

Am 3. Oktober ist der erste Verhandlungstag. Der Politprozess zum Auftakt des Jahrhunderts soll es werden. Wenn einer sich aufs Inszenieren eines solchen "Events" versteht, dann der Feuerwerkexperte Heller. "Wissen die eigentlich, worauf sie sich einlassen?", fragt er.

Eine kleine Ahnung kriegen "die" vielleicht angesichts der Solidaritätskampagne, die nun anläuft. News, selbst zurzeit mit 20 FPÖ-Klagen eingedeckt, hat gerufen, und Heller staunt, wer da alles reagierte, von Gert Voss und Luc Bondy über Peter Turrini bis Elfriede Jellinek und Fritz Muliar - also auch Künstlerkollegen darunter, die Heller gar nicht so grün sind.

Aber was soll's: "Wenn die Freiheit des Wortes gefährdet ist", schreibt Muliar, "gebietet es der politische Verstand, dass ich an die Seite dieser Leute trete, die geklagt werden."

Daniel Charim verbringt die Wochenenden damit, Material zu sichten und Dossiers zu schreiben. "Das ist eine besondere Herausforderung", sagt er. Die Weisen haben ihre Schuldigkeit getan. Jetzt ist die Stunde des Wahrheitsbeweises.