Einfach, so erzählt die Frau, sei es nie gewesen. Ja, eigentlich fehle ihrem verstorbenen Gatten "bis heute die Anerkennung, die er verdient".

Schließlich sei "der Albrecht" ein "großer Meister" gewesen. Eine zweite Dame tritt auf, nicht ganz so fein, nicht ganz so souverän. Verzweifelt eher darüber, wie sehr "mein Albrecht" an Nürnberg und an den Stadtoberen gelitten habe. Sie komme eben vom Friedhof, sagt sie noch, als wolle sie sich versichern, dass es zumindest dem toten Dürer gut gehe.

Die Frau des Künstlers nennt Pia Lanzinger ihre Videoarbeit. Gespielt wird, was bis heute für Diskussionen sorgt: Nürnbergs Schwäche, Dürer (und das eigene Wohl als "Dürerstadt") feiern zu können. Der Verklärung Dürers antwortet nun ein von Michaela Unterdörfer erarbeitetes Ausstellungsprojekt in der Nürnberger Kunsthalle. I believe in Dürer heißt die Schau und ist der Titel eines Bildes des Londoner Künstlerpaares Bob und Roberta Smith.

500 Jahre nachdem Albrecht Dürer (1471-1528) mit einem Selbstporträt dem Künstler-Ich autonome wie auch tief religiöse Züge verlieh, untersucht die Ausstellung "Strategien der Annäherung an einen großen Künstler". Der Produktionsweise des Bildners gilt der Blick. Von deren Systematik ausgehend, so die These, könnte das Geflecht aus Verklärung, Aneignung, Politisierung und Kommerzialisierung von Dürers Schaffen aufgelöst werden. Äußerer Anlass des Projekts: das 950-jährige Bestehen der Stadt Nürnberg.

"Was würde Dürer sagen, wenn er die Freunde von heute sähe?", fragt Jochen Gerz in seiner Außenarbeit weithin sichtbar. Und: "Würde er sich auf die Seite derer schlagen, die das Neue in der Kunst bekämpfen?" Für Joseph Beuys war die Antwort noch klar - Klaus Staeck fotografierte ihn 1974 in der Rolle jenes künstlerischen Sinnstifters, als der sich Dürer um 1500 stilisierte.

Kunst als Glaubensbekenntnis - davon wollen indes die Nachfolgenden kaum mehr etwas wissen. "Für mich", schreibt Rosemarie Trockel, "ist Dürer so wahr, so treu, dass die Gegenstände, die er darstellt, fremd werden." Dürer bleibt im Kopf, wenn nun Trockel mit Georg Herold um den richtigen "Dürerhasen" ringt, und Beifall verdient sicher auch, dass es Michaela Unterdörfer gelang, Sigmar Polkes Dürerschleifen, 1986 für den deutschen Pavillon der Biennale Venedig geschaffen, zu präsentieren.

Jedoch: Polkes Auseinandersetzung mit den Schleifenornamenten in Dürers Holzschnitt-Zyklus Der Triumphzug Kaiser Maximilians I. (1512), wie auch die Arbeiten von Trockel, Herold und anderen im Kunst-über-Kunst-Reigen werden eher sehend notiert denn als notwendige "Strategien der Annäherung" wahrgenommen. Dass deren Beschränkung auf bildnerische Ergebnisse Dürers eine Beschränkung des künstlerischen Vokabulars bewirken könnte, deutet Pia Lanzingers Video an, es wird aber auch schon im Foyer der Kunsthalle deutlich. Fünf Mark, so liest man, haben Erwachsene zu zahlen. Jedoch: "Ausländer frei". Der Däne Jens Haaning meint es ernst. Ein Preisaushang ist ein Preisaushang, ist eine Befragung des Ortes wie einer gesellschaftlichen Situation.