Rose Tremain: Melodie der Stille; aus dem Englischen von Elfie Deffner; Hanser Verlag; München 2000; 508 S.; 45,- DM.

Die Welt von damals: Kopenhagen im Jahre 1629. Der König ist ein klobiger Mensch mit sanfter Seele, Kirsten Munk ist seine geliebte Frau voll geiler Boshaftigkeit, und ihre Hofdame und sein Lautenspieler verstricken sich ebenfalls in vergebliche Herzensdinge. Rose Tremain, die für diesen Roman 1999 den renommierten Whitbread Award gewann, hat einen sagenhaften Gobelin gewoben, hier eine Szene auf dem Eis, dort eine von Sehnsucht oder Verzweiflung zerfurchte Miene, ein Kind, das des Vaters neue Frau hasst. Eine Verbeugung vor Hamlets dunklem Dänemark.

Doris Lessing: Ben in der Welt; Roman aus dem Englischen von Lutz Kliche; Hoffmann und Campe; Hamburg 2000; 254 S.; 36,- DM.

Ein Wesen von früher. Zu lange Arme, große Fäuste, auf dem Rücken ein dichtes Fell und eine Ausdünstung von Gewalt. Doris Lessing hat 1988 beschrieben, wie es eine Familie zerreißt, die von den Genen unserer Vorfahren heimgesucht wird: "Das fünfte Kind" hat die Gestalt eines Höhlenmenschen und die Instinkte eines Raubtiers und vernichtet die Vorortidylle der reizenden Lovatts. Dieser Ben treibt nun, im zweiten Teil, haltlos und verwirrt durch die Welt. Jetzt ist er Opfer, von Gaunern und Paläontologen. Doris Lessing fragt mit der ihr eigenen Radikalität, wer oder was hier eigentlich unmenschlich ist oder nicht.