die zeit: Vor zwei Jahren erklärten Sie, das ZDF würde wegen der privaten Konkurrenz "nicht schrill und grell werden". Angesichts interner Papiere über neue Sendeformate könnte man meinen, Sie hätten es sich anders überlegt.

Dieter Stolte: Die Sorge ist unbegründet. Wir haben Neues vor, aber nichts Schrilles: Wir wollen das Abendprogramm zwischen 19 und 23 Uhr neu gestalten.

Dabei müssen wir das ZDF als öffentlich-rechtliches Programm mit einem klaren Funktionsauftrag und einem klaren inhaltlichen Profil positionieren. Zwischen heute und heute-journal wird von Dienstag bis Freitag eine Informationsleiste eingebaut: Wir werden, wenn der Fernsehrat zustimmt, am Dienstag ein Reportagemagazin, am Mittwoch ein zeitkritisches Magazin, am Donnerstag das auslandsjournal und am Freitag um 21.15 Uhr die ZDF-Reportage senden. Das ZDF wird in dieser Leiste harte Information anbieten.

zeit: Wird das zeitkritische Magazin auch ein politisches?

Stolte: Ja. Anstelle von Frontal werden wir ein neues wöchentliches politisches, zeitkritisches Magazin setzen, das in seiner personellen Spitze plural zusammengesetzt sein wird und thematisch alle aktuellen Fragen unserer Gesellschaft behandelt wie den Kampf gegen Rechtsradikalismus, den Prozess der inneren Wiedervereinigung oder die Rentenreform. Da mag auch mal etwas Weicheres oder Humoriges dabei sein.

zeit: Die bekannt gewordenen ZDF-Arbeitspapiere, in denen etwa vorgeschlagen wird, mit Rudi Carrell die Expo zu besuchen, klingen nicht mehr sehr seriös.

Stolte: Keines dieser Papiere hat mir vorgelegen, keines hat sich Chefredakteur Nikolaus Brender zu eigen gemacht, indem er es mir vorgelegt hätte. Vieles, was in diesen Papieren steht, kann ich als Fingerübungen akzeptieren. Aber: Was mir aus diesen Papieren durch die Zeitung bekannt wurde, findet meine Zustimmung nicht.