Danke für den Artikel von Jens Jessen. Er trifft meine Wut auf den Punkt genau. Man wird einer Diktatur dumm-dumpfen Volksgeschmacks unterworfen, in die Gemeinde der Fußballfans gezwungen oder mit banalem Kitsch & Crime abgespeist und fühlt sich darüber hinaus noch völlig hilflos, denn Programmkritik, es ist ja nicht die Erste, rinnt an den Intendanten herunter wie Wasser. Darin zeigt sich dann nochmals die Menschenverachtung. Da man Achtung nicht einklagen kann, bleibt wohl nur: kündigen und die Nachrichten im Radio hören oder lesen.

Irene Herzberg, München

Da hat Herr Jessen ja mächtig hingelangt. In seiner Begeisterung für starkdeutsche Formulierungen ("Quoten-Idioten", "plebiszitäre Diktatur" und so weiter) hat er leider nicht gemerkt, dass der Text voller Widersprüche steckt. So beklagt der Autor einerseits, dass ARD und ZDF das Publikum "abstimmem" lassen. Dann aber wirft er den Verantwortlichen vor, dass sie das Publikum verachten. Was denn nun? Ist die Zeit der Logik vorbei?

Nun beobachte auch ich mit Unbehagen einiges an der Entwicklung des Fernsehens. Aber wer den Unterschied nicht sieht zwischen öffentlich-rechtlichem und kommerziellem Fernsehen, der schreibt entweder aus dem hohlen Bauch, oder er leidet an Realitätsverlust. Im Übrigen missfällt mir auch an der Entwicklung der ZEIT so manches Anzeichen von Verflachung.

Ehe man so leichtfertig wie Herr Jessen in die Polemikkiste greift, sollte man vielleicht ein wenig über die allgemeinen Aussichten seriöser Medien in Zeiten des Ökonomismus und des Internet nachdenken.

Dr. Rudolf Großkopff Hamburg

Ihr Artikel war Hochgenuss für mich. Schön, dass diese fatale Fehlentwicklung endlich zum öffentlichen Thema wird. Erst kürzlich wurde ja im Beitrag von Stefan Pelny in diese Richtung gestochen. Ich, als Vertreterin des Kultur-Alibis, bin Ihnen sehr dankbar für diesen Vorstoß, der mir aus dem Herzen spricht.