Doch ungeachtet aller politischen und ökonomischen Rivalität einte alle elf Opec-Staaten stille Genugtuung: Sie haben den Westen und die Ölmultis ihre Macht spüren lassen. Selbst moderaten Golfstaaten war es ganz recht, dass in den vergangenen 18 Monaten der Ölpreis von "absurden" 10 Dollar pro Fass (so ein Vertreter des Opec-Sekretariats) auf fast 35 Dollar hochschnellte

Amerika und Europa wurden so an ihre Abhängigkeit erinnert, zugleich hat sich die Finanzlage des Ölclubs dramatisch verbessert. In diesem Jahr fließen rund 250 Milliarden Dollar in seine Kassen, mehr als doppelt so viel (116 Milliarden) wie 1998. Auch die Saudis haben nicht vergessen, dass man die Organisation der Erdöl produzierenden Staaten viele Jahre lang ignorierte und als Papiertiger abtat.

Umso angenehmer, dass man auch im Duell um die öffentliche Meinung triumphiert: Die erzürnten Autofahrer, die Großbritannien gerade durch Panikkäufe an den Rand des Chaos bringen, machen die Steuern ihrer Regierung und nicht gierige Scheichs fürs teure Benzin verantwortlich. Dabei habe die aktuelle Preiskrise überhaupt nichts mit den Verbrauchssteuern zu tun, sagt Fahlid Chalabi, Executive Director des Centre for Global Energy Studies in London, die Steuern hätten sich schon lange auf diesem Niveau befunden. Die Preissteigerungen gingen allein auf die Kappe der Opec. Das Kartell hätte die Produktion früher erhöhen und den Preis stabilisieren müssen.

Zu wenig und zu spät - so beurteilen die meisten Experten die Entscheidung des Kartells, das bis zum Ende des Ölzeitalters das wichtigste Schmiermittel der Welt bestimmen wird und dies "ziemlich miserabel" tut, wie der Analyst Leo Drollas von Global Energy Studies meint. Es wird Monate dauern, bis die geringe zusätzliche Fördermenge die Raffinerien erreichen wird. Die Raffinerien arbeiten ohnehin bis an den Rand ihrer Kapazität

die Reservebestände befinden sich auf einem absoluten Tiefststand

niemand in der Industrie will zukaufen, solange der aktuelle Preis deutlich über dem an den Zukunftsmärkten liegt. Kein Konzern denkt daran, Rohöl für 34 Dollar zu kaufen, wenn er in ein paar Monaten vielleicht für 30 Dollar kaufen kann.

Zur Logik des Marktes kommen andere Fakoren: Shareholder-Value und Profitmaximierung haben bei den Ölmultis zu Personalabbau und zur Reduzierung von Raffineriekapazitäten geführt. Hinzu gesellen sich spekulative Manöver von Händlern. Der Hinweis der Opec-Staaten, dass eigentlich genug Öl im Angebot sei und der Preis bewusst hochgetrieben werde, ist nach Ansicht von Industrie-Insidern nicht nur eine absurde Schutzbehauptung, um von der eigenen Verantwortung abzulenken. Philip Lambert, Direktor von Lambert Energy Advisory, spricht von einem Zustand "allgemeiner Konfusion"