niemand wisse genau, wo's langgehe, es fehlten klare Signale, die auf niedrige Preise hindeuten. "Wenn der Markt erst einmal glaubt, dass Mangel herrscht, ist es sehr schwer, eine Umkehr zu erreichen." Ein Preis von 40 Dollar oder sogar mehr pro Fass Rohöl rückt somit durchaus näher. Sollten sich solche Prognosen bestätigen, müssten die Politiker sich verschärft um Inflation und Wachstum sorgen.

Ein wirtschaftlicher Einbruch läge zwar nicht im Interesse der Opec. Doch der jüngste Preissprung beim Öl, mit 168 Prozent die zweithöchste Steigerung seit 1973, war nicht auf Krieg oder Revolution zurückzuführen, und er ist auch nicht das Ergebnis gemeinsamer politischer Absichten - er entspringt kühlem finanziellem Kalkül. Selbst Saudi-Arabien, Kuwait und die Emirate wollen eine Rückkehr zu den niedrigen Preisen vermeiden, die das Kartell durch ungewohnte Disziplin und Entschlossenheit beseitigt hat. Außer den Emiraten sind alle Opec-Staaten dringend auf hohe Einnahmen angewiesen, Saudi-Arabien ist mit 130 Milliarden Dollar hoch verschuldet. Allein die Zinsen belaufen sich jährlich auf 7 Milliarden Dollar.

Mit der wirtschaftlichen Macht der Opec wächst ihr politischer Einfluss

Zuletzt stand Riad, das mehr denn je auf die amerikanische Sicherheitsgarantie angewiesen ist, unter massivem Druck, für einen niedrigen Ölpreis zu sorgen. Die Saudis, die derzeit über acht Millionen Fass pro Tag aus ihren Quellen herauspumpen, könnten leicht die Hähne weiter aufdrehen.

Ihre Förderkapazitäten sind nicht ausgelastet. Doch auch sie wollen die Einheit des Kartells wahren. Sie stehen nicht nur finanziell unter Druck, sie sind auch politisch in einer Zwickmühle. Saudi-Arabien ist ein Gigant auf tönernen Füßen. Der Reichtum an Ressourcen vermag die fehlende Legitimation bei den arabischen Massen nicht völlig aufzuwiegen. Deshalb kann Riad es trotz des Drucks aus Amerika nicht wagen, beim undurchsichtigen Poker um Quoten und Fördermengen die Falken der Opec zu ignorieren.

Hauptgegenspieler ist der Iran, mit einer Fördermenge von derzeit 3,7 Millionen Fass pro Tag zweitstärkster Produzent der Organisation. Teheran operiert am Rande seiner Kapazitäten

eine Senkung des Preises könnte nicht durch erhöhten Ausstoß aufgefangen werden. Der Iran braucht die Ölmilliarden dringend, weil damit fast 90 Prozent des Staatshaushaltes finanziert werden.