Politisch besteht in Teheran ohnehin keine Neigung, auf amerikanische Wünsche einzugehen. Wortführer der nichtarabischen Nationen im Ölkartell ist Venezuela, dessen charismatischer Präsident Hugo de Chavez die Opec auf eine harte Gangart einschwor, auch aus purem Eigeninteresse - die Erschließung neuer Felder ist nur rentabel bei einem hohen Ölpreis. Zu den Hardlinern zählen neben dem politisch einflusslosen Irak auch Algerien und Libyen

beide exportieren den Typ leichten, schwefelarmen Rohöls, das wegen geringer Raffinerie- und Transportkosten in Europa auch bei einem Preis deutlich über 30 Dollar leicht abzusetzen ist.

In der ausgeprägteren Neigung der Opec, sich dem Drängen auf billiges Öl zu widersetzen, äußert sich neben der puren finanziellen Notwendigkeit überdies neues Selbstbewusstsein. Das Kartell ist 40 Jahre nach seiner Gründung mächtiger denn je. Der Machtzuwachs gründet sich auf Geologie und Geografie.

Zwar produziert die Opec derzeit nur etwa 40 Prozent der weltweiten Ölförderung, doch ihr Anteil am Welthandel beläuft sich bereits auf rund 60 Prozent, weil die Ölstaaten außerhalb der Opec ihr Öl selbst brauchen. Nur die Kartellmitglieder, und hier vor allem die fünf Golfstaaten mit ihren riesigen Reserven, können die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage wettmachen, die sich in den nächsten Jahren weiter öffnen wird. Damit nähern sich die Ölscheichs dem ersehnten Ziel - der Kontrolle über den Preis, den sie langsam sogar von der Weltkonjunktur abkoppeln könnten. Je knapper Öl wird, desto stärker wächst der Wert ihrer Reserven, desto ausgeprägter die Neigung, das "Blut der Erde" nicht zu billig zu verschleudern. Mit steigender wirtschaftlicher Macht aber wird die Neigung wachsen, auch politisch die Muskeln spielen zu lassen.

Ist damit eine fundamentale Wende am Weltölmarkt vorgezeichnet? Darüber wird bitter gestritten. Das Centre for Global Energy Studies malt mittelfristig ein optimistisches Bild: "In ein paar Jahren schon" werde es wieder eine Ölschwemme geben - durch neu entdeckte Felder, verbesserte Fördermethoden, Spartechnologien wie die Brennstoffzelle und die Entwicklung alternativer Energieträger. Karlheinz Schult-Bornemann, Vorstandssprecher von Esso, sagt sogar für die nächsten 200 Jahre ein "Öldorado" voraus. Der begehrte Rohstoff werde reichlich und auf Dauer verfügbar sein. Andere Experten widersprechen.

Öl werde bald noch teurer und knapper sein, betont George Leckie von IHS Energies. Seine Daten vermitteln eine klare Botschaft: Die Kluft zwischen Neuentdeckung und Verbrauch wird stetig größer. Im Jahr 1999 wurden 14 bis 15 Milliarden Fass neu entdeckt, die Förderung belief sich auf 26 Milliarden Fass.

"Wir verbrauchen mehr, als wir neu finden", sagt auch Fritz Vahrenholt, Aufsichtsrat bei der Deutschen Shell. "Öl wird teuer bleiben." Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe gelangt zu einem ähnlichen Schluss. Ihr Präsident, Professor Karl Hiller, erwartet, dass der Höhepunkt der Ölproduktion in 10 bis 20 Jahren überschritten sein wird