Es fällt nicht schwer, Eoin Moores Conamara sympathisch zu finden. Michael Hammons Kamera weidet sich an den grünen Hügeln Irlands, bis man meint, die Elfen sehen zu können, die für Onkel Tom, den melancholischen Säufer, eine große Rolle spielen. In wildromantischen Felsenbuchten schlägt der Atlantik Wellen wie eine liebeskranke Meerjungfrau. Schön ist das, vor allem für Anbieter von Irlandreisen. Man möchte gleich raus aus dem Kino. Eine Ehe, die ihre Leidenschaft, ein Leben, das selbst inmitten dieser Kulisse seine Besonderheit verloren hat, setzen das Drama von Conamara in Gang. Die Sehnsucht muss das Drehbuch von weither holen. Vor 12 Jahren hat Axel in Amsterdam mit Maria eine Nacht verbracht. Obwohl er selbst geschieden ist, kommt dem Plus-Minus-Null-Mann aus Eoin Moores vorangegangenem Film nicht der Gedanke, dass seine Traumfrau mittlerweile verheiratet sein könnte. In Conamara findet er eine befremdete Maria wieder, die ihren Mann Antaine und ihre Tochter José zwischen sich und das offenkundige Begehren stellt. Von dem ahnungslosen Antaine wird Axel herzlich aufgenommen, in Onkel Toms verwahrloster Hütte findet sich ein Bett für ihn. Ein verrostetes Amphibienfahrzeug, mit dem der enthusiastische Aussteiger Touristen von Pub zu Pub schippern will, macht Axel, Maria und Antain zu Geschäftspartnern.

Pünktlich wie die Post, schließlich ist Maria Briefträgerin, lodert die alte Liebe wieder auf. Traurige Balladen, die Maria in rauchgeschwängerten Kneipen singt, arbeiten der Krise zu. Hie Ehe und Mutterschaft, dort Leidenschaft und Abenteuer - tief hat sich Eoin Moore das gedacht. Der forcierte Konflikt bleibt indessen oberflächlich wie das Spiel der Holländerin Ellen Ten Damme.

Die Beziehung zu dem herzensguten Antaine mag man ihr noch abnehmen. Ihre Mutterrolle bleibt das Konstrukt eines äußerst schlicht polarisierenden Drehbuchs. Das Kind ist ein Kalkül, das Fleisch gewordene schlechte Gewissen einer reuigen Sünderin.