Eigentlich ist das Gespräch beendet. Die Atmosphäre ist freundlich-entspannt. Ein paar Worte noch, da sagt Hans-Joachim Flebbe, scheinbar harmlos: "Ich gehe so gern mit Kindern ins Kino, da spürt man, was es noch für eine Bedeutung haben kann." Eine emotionale Bedeutung also, die es weitgehend nicht mehr hat.

Dieser Satz ist, gewiss ohne so wirken zu sollen, eine melancholische Zeitreise durch Flebbes Karriere. Eine Reise zurück. Immer wieder hat er Sätze gesagt wie: "als es noch um Filmkunst ging", oder: "auch mit Filmkunst konnte man Geld verdienen", oder: "als das Geschäft noch nicht im Vordergrund stand".

Diese Attitüde ist es, die beinahe jedes Gespräch über Hans-Joachim Flebbe beeinflusst, beeinträchtigt. Zumal wenn kleine Kinobesitzer, also solche, die sich noch der Kunst verschrieben haben, über ihren übergroßen Konkurrenten reden. Dann schimpfen sie ihn einen "Sonnyboy", einen "angeblichen Cineasten", der aber in Wahrheit als "brutaler Kapitalist" daherkommt und sie mit "rüden Methoden" schindet.

Da aber die solchermaßen Urteilenden ihre Namen nicht dazu stellen wollen und weil die Vorwürfe selten trittfest untermauert werden, beschleicht den Beobachter eine eher harmlose Vermutung. Hier sind Leute sauer, weil einer aus ihrer WG ausgezogen ist.

Tatsache ist: Hans-Joachim Flebbe ist mit seiner Cinemaxx AG allein schon Marktführer unter den Kinobesitzern gewesen

seit er, vor ein paar Wochen, die Verfügungsgewalt über den alten Widersacher Ufa dazubekam, ist er es umso mehr. Tatsache ist auch, dass, während Flebbe sich hoch arbeite, traditionelle Kinos, auch eigene, dran glauben mussten. Wenig reißfest aber ist der unterstellte Kausalzusammenhang - die Kinos wären gestorben, weil Flebbe so gut lebt.

Auch der kann, wie seine Konkurrenten, erst einmal nur reagieren. Regieren tun andere. Die Zuschauer mit ihren Sehgewohnheiten. Anders ausgedrückt: Das Regime führt der Markt, der Kinomarkt. Eine blutige Herrschaft ist das.