Ein paar Zahlen nur, fürs Erste: In den sechziger Jahren, als das Fernsehen noch jung war, kamen jährlich 800 Millionen Zuschauer in die Lichtspielhäuser, schönes altes Wort. Dreißig Jahre später waren's gerade noch 100 Millionen. Wer da noch lebte, als Flebbe auf der Szene erschien, hatte schon ziemlich viel Glück gehabt.

So wie er selbst, in seinen ersten Jahren. Wenn er davon erzählt, in seinem derzeit etwas schmucklosen Büro, ist zu spüren: Er tut das nicht zum ersten Mal, und doch fasziniert sie ihn immer noch, die eigene Geschichte. Wie um das zu kaschieren, hält er seine Sprache auf einem Ton, kann aber nicht verhindern, dass sie eindringlich wird. Als müsse er sich seiner selbst vergewissern, nicht nur des Zuhörers.

Das Schönste an einer solchen Geschichte ist, vom erfolgreichen Ende her betrachtet, der Anfang. Da ist der noch heute jugendlich Wirkende und als harmoniebedürftig Beschriebene tatsächlich noch ein Jugendlicher, und niemand ist ihm gram. Nach Studierversuchen in Psychologie, Germanistik und Betriebswirtschaft ist er unschlüssig, auch "ziemlich apolitisch"

da widerfährt ihm, 1974 in Göttingen, die "Kinoliebe". Fast jeden Tag geht er ins örtliche Programmkino Apollo, fasst sich endlich ein Herz und fragt den Besitzer: "Darf ich Vorschläge machen" fürs Programm? - "Er hat mich rangelassen." Das Ergebnis lässt sich sehen, buchstäblich. Das Apollo ist "jeden Tag voll", denn er bringt das Programm körperlich unter die Leute, auf Handzetteln mit Inhaltsangaben und Rezensionen. Die Kunden wollen aber nicht nur sehen, sondern auch diskutieren. Faßbinder - Kluge - Schlöndorff - Wenders treten auf. Hans-Joachim Flebbe freut sich.

Drei Jahre später, am Apollo ist er längst beteiligt, werden ihm in seiner Heimatstadt Hannover die drei "Kinos am Maschplatz" offeriert. Die erforderlichen 250 000 Mark "hatte ich nicht". Die Banken spielen schließlich mit - und auch das Publikum. "Das Reizvollste: Ich habe jeden Tag im Kino gestanden. Das war die Phase, in der mir das Kinomachen am meisten Spaß gemacht hat. Da stand das Geschäft noch nicht im Vordergund."

Gab es damals, gibt es Lieblingsfilme? Flebbe muss, wie auch sonst, nicht lange überlegen. Ernst Lubitschs Sein oder Nichtsein hält die Spitze, es folgen Federico Fellinis Amarcord und, "wenn ich gute Stimmung haben will", Dennis Hoppers Easy Rider. Leider, leider haben sich aber auch da die Bräuche geändert. Wenn er heute ins Kino geht - und das tut er als heavy user so viermal im Monat -, heißen die Streifen Mission Impossible II oder Sturm.

Dienst ist Dienst - es sei denn, seine Frau hat die Wahl. Aber immer im Kino, nie vor dem Fernseher.