Flebbe entschließt sich, es den Amerikanern gleichzutun, mit einem Unterschied: Seine Paläste sollen nicht auf die grüne Wiese, sondern mitten hinein in die Städte. Gemeinsam mit dem Hannoveraner Architekten Helmut Sprenger beginnt er zu planen und zu rechnen und findet Geldgeber: Rolf Deyhle, den Herrn der Musicals (Stella), und den früheren Kirch-Mann Bodo Scriba. 1991 steht das erste Multiplex-Kino, natürlich in Hannover, genannt Cinemaxx. Anfang August dieses Jahres hat das vorerst letzte in Deutschland eröffnet, in Braunschweig. Die einstweilige Bilanz: In zehn Jahren sind 32 Cinemaxxe in 29 Städte eingepflanzt worden mit 286 Leinwänden und 77 000 Sitzplätzen.

Verändert haben sich unterdessen die Gesellschafterstruktur und die Rechtsform von Flebbes Unternehmen. Seit 1998 firmiert es als Cinemaxx AG.

Ein Drittel der Aktien hält der Gründer noch selbst, jeweils ein Viertel die belgische Kinepolis-Gruppe und der Berliner Filmproduzent und -verleiher Senator. Der Rest flottiert frei, zu Kursen weit unter dem Ausgabepreis.

Das wurmt. Ein wenig ratlos sagt Flebbe: "Bis jetzt habe ich immer von einem sehr positiven Image gelebt." Er fühlt seine Arbeit "unterbewertet, weil wir wissen, was wir vorhaben" - die Expansion, vor allem im Ausland, finanziert er "weitgehend aus eigener Tasche".

Vielleicht hilft ja auch die um die Ufa erweiterte Marktmacht. Die Cinemaxx hat zwar erst einmal nur zehn Prozent gekauft, hat aber schon das ganze Sagen. Jahrzehntelang waren die Herrschaftsverhältnisse genau umgekehrt. So empfindet Hans-Joachim Flebbe diese Transaktion als ein "persönlich ziemlich seltsames Erlebnis". Wie emotional die Konkurrenzbeziehung einmal war, dafür steht eine Anekdote, 15 oder 20 Jahre alt. Der damalige Ufa-Herrscher Heinz Riech soll, als er seinen Berliner Filmpalast am Kudamm dem Wettbewerber verkaufen musste, den Laden zuvor noch eigenhändig kurz und klein geschlagen haben.

Sei's drum. Flebbe gewinnt nach dem kurzen Exkurs ins unbekannt-trübe Aktiengelände rasch seinen notorischen jugendlichen Charme zurück. Für einen von Dieter Kosslick zum "internationalen Kinokönig" Gesalbten ist er erstaunlich unprätentiös, wenn auch punktuell durchaus eitel.

Beides lässt sich beobachten bei der Eröffnung des Braunschweiger Cinemaxx.