Wer wird Millionär? Jedenfalls bestimmt keiner, der sich so unberaten verhält wie Jean-Paul Sartre. Der weigerte sich 1964, den Literaturnobelpreis entgegenzunehmen. Doch die entgangene Preissumme wurmte ihn über die Jahre dermaßen, dass er sich schließlich in der Mitte der siebziger Jahre nicht mehr zurückhalten konnte und in Stockholm sondieren ließ, ob die Schwedische Akademie ihm die 200 000 Mark nicht doch noch zukommen lassen könne. So erzählt es jetzt eines der damaligen Akademiemitglieder in seinen Erinnerungen. Konnte sie aber nicht

denn längst war das für Sartre bestimmte Geld - wie bescheiden wirkt die Summe heute! - zum Stammkapital zurückgeflossen und half jene Zinsen zu erbringen, die die Nobelpreise Jahr für Jahr finanzieren.

Nobelpreis, Geheimverhandlungen: Schrecklich kompliziert ist das alles. Die Literatur kennt einfachere Wege. Man muss siebzehn sein, weiblich und aus Berlin-Mitte

dann genügen ein paar Kurzgeschichten unter einem suggestiven Titel (Das stärkste Glied), und der Vorschuss samt Filmrechten nähert sich mühelos der Halbmillionenschwelle, vorausgesetzt, man ist beim richtigen Agenten.

Kleinere Summen aber lassen sich mit noch weit geringeren intellektuellen Unkosten erzielen

für 16 000 Mark genügt schon die Lektüre der Memoiren von Marcel Reich-Ranicki, um in Günther Jauchs Millionärs-Spiel richtig zu antworten. Dort wurde soeben gefragt, wie ihr Titel laute: A Meine Gespräche

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