Still ruht der See und lockt zum Bade - so oder so ähnlich müsste man anfangen, weil ja der See, wo Brecht seinen letzten Sommer verbringt, wirklich sehr still ruht, vor allem in Jan Schüttes Film Abschied. Aber zum Bade lockt er mich ehrlich gesagt nicht, weil es ein mooriger, irgendwie deutscher See ist, einer mit ziemlich unklarer Untiefe und ohne Durchblick zum Grund. Den Jüngeren unter Brechts zahlreichen Weibern macht das nichts aus, sie plantschen im Wasser und sehen hübsch aus. Man muss aber nicht baden, man kann das Schattenspiel des Laubs am Ufer betrachten, die Weigel, wie sie nervös an ihrer Zigarette zieht, oder den Dichter, wie er an der Schreibmaschine schwitzt. Er würde gerne mit der scharfen Käthe, aber er hat Fieber und muss arbeiten, während oben, unterm Dach der Datscha, Wolfgang Harich die Isot liebt. Im Busch wartet schon der Stasi-Offizier, er wird den Harich am Ende verhaften, und Brecht wird sterben. Das war 1956, zwar nicht so, wie es der Film erzählt, aber so ähnlich. Die Stille des Sees ist spannungsgeladen, die Ruhe der Bilder trügerisch (was sonst), und die Akteure benehmen sich seltsam. Man begreift aber nicht ganz weshalb, es sei denn, man wäre ein Brecht- und DDR-Experte, aber dann wieder hätte man einiges zu meckern. Es handelt sich wohl um so etwas wie Doku-Fiction, und das ist eine moorige Angelegenheit mit unklarer Untiefe. Josef Bierbichler: dass der Dicke den Dünnen spielen könnte, hätte man nicht gedacht, aber es geht sehr gut, und Monika Bleibtreu als Helene Weigel ist grandios. Aber es hilft nichts: Obwohl Klaus Pohl (Drehbuch) und die Schauspieler ihre ganze Kunst investieren, am Ende gehen sie baden.