Um solide Erfolge schert sich die Börse kaum. Also dümpelte auch der Kurs der Deutsche-Bank-Aktie jahrelang schlapp vor sich hin, obwohl das Herzstück der Deutschland AG von Rekord zu Rekord jagte. Die Bilanzsumme der Bank etwa schnellte innerhalb eines Jahrzehnts von 400 Milliarden auf heute mehr als 1,8 Billionen Mark. Zum Vergleich: Bundeskanzler Gerhard Schröder regiert über einen Haushalt von weniger als 500 Milliarden DM. Doch erst Studienrat Hans Eichel gelang es, den Kurs der Bankaktie wieder einen Weg nach oben zu lehren.

Der Bundesfinanzminister überraschte die Wirtschaft im Dezember mit einem Weihnachtsgeschenk: dem steuerfreien Verkauf von Unternehmensbeteiligungen.

Dadurch können Milliardenschätze, die teils jahrzehntelang in stillen Reserven gebunkert waren, endlich aus den Bilanzen gehoben werden, ohne den Fiskus zu beteiligen. Im Herbst wird der Bundestag mit einem Ergänzungsgesetz die Ministeridee besiegeln. Von 2002 an können die Beteiligungen dann steuerfrei versilbert werden.

Hauptnutznießer ist die Deutsche Bank. Sie verfügt über dicke Aktienpakete, etwa von Allianz und Münchner Rück, von Daimler, Holzmann oder Continental.

Im Geschäftsbericht wird allein der Wert "wesentlicher" börsennotierter Beteiligungen auf 35 Millionen Mark beziffert. Inzwischen hat der Ausverkauf schon begonnen. Dazu dienen Wandelanleihen, die im übernächsten Januar in reguläre Aktien umgewandelt werden.

Es ist vor allem dieses Steuergeschenk, dass den Kurs der Deutschen Bank antreibt. Zwar ist ein Teil der zukünftigen Verkaufserlöse schon im Aktienpreis enthalten, aber die Beteiligungspakete sind riesig genug, um selbst schlechte Bankenjahre noch oft genug vergolden zu können. So sieht Viktor Heese, Analyst der WGZ-Bank in Düsseldorf, die DB-Aktie "noch einen Tick besser als den Gesamtmarkt". Auch Konrad Becker von den Privatbankiers Merck Finck & Co erwartet eine "sehr positive Entwicklung".

Ein wenig skeptischer klingen da schon die ausländischen Experten. "Die Deutsche Bank ist ein Politikum", begründet der Sprecher einer amerikanischen Großbank seine Zurückhaltung. Und John Leonard, Branchenfachmann bei Schroder Salomon Smith Barney in London setzt "langfristig lieber auf andere Banken als die Deutsche" - zum Beispiel auf die Schweizer Geldhäuser UBS und Crédit Suisse. Deren Investmentbanking entwickle sich dynamischer.