die zeit: Herr Professor Michaelis, Benzin ist in den vergangenen eineinhalb Jahren pro Liter rund 50 Pfennig teurer geworden. Ist die Schmerzgrenze jetzt erreicht, sollte die Ökosteuer ausgesetzt werden?

Peter Michaelis: Nein, das wäre ein falsches Signal. Die Umweltpolitik sollte sich nicht abhängig machen von Entscheidungen der Opec oder von der Entwicklung des Euro-Kurses. Umweltpolitik dient doch nicht dem Ausgleich von Marktpreisschwankungen. Im Übrigen: Im Vergleich mit dem Preisniveau unserer Nachbarländer liegen die deutschen Spritpreise eher im gemäßigten Bereich.

Und schließlich bietet das gegenwärtige Preisniveau auch Anreize, neue technologische Entwicklungen anzustoßen.

zeit: Kein Mitleid mit den Autofahrern?

Michaelis: Der Autofahrer musste 1960 für einen Liter Benzin 14 Minuten arbeiten, heute muss er dafür nur noch rund 5 Minuten arbeiten. Die Statistik der Neuzulassungen zeigt, dass es in Deutschland immer noch einen ungebrochenen Trend zu schnelleren Fahrzeugen gibt. Insofern hält sich mein Mitleid in Grenzen. In Anbetracht der geringen Steuersätze halte ich die Aufregung über die Ökosteuer für absurd.

zeit: Ist das die Meinung aller sieben Öko-Weisen?

Michaelis: Der neu konstituierte Umwelt-Sachverständigenrat hat über die Ökosteuer noch nicht abschließend beraten. Deshalb kann ich momentan nur meine persönliche Meinung wiedergeben.