Als Ende Juli das Freiburger Biotechnologieunternehmen Genescan an die Börse ging, hielt es den Vorstand nicht auf dem Parkett. Beseelt vom Kurssprung am ersten Handelstag, kletterte die Führungsriege zum Ritt auf die Bullen-Plastik vor der Frankfurter Wertpapierbörse. Um mehr als 100 Prozent hatte die erste Notiz am Neuen Markt den Ausgabepreis der Genescan-Aktie übertroffen. Viele Kleinanleger machten dagegen lange Gesichter: Weil es pro Aktie 13 Interessenten gegeben hatte, waren sie gar nicht erst zum Zug gekommen.

Bei der Jagd nach erfolgreichen Neuemissionen gehen Kleinanleger regelmäßig leer aus. Institutionelle Investoren wie Banken, Versicherungen und Fondsgesellschaften werden in der Regel bevorzugt. Den Frust der Hobbyaktionäre versuchen Investmentgesellschaften mittlerweile für sich zu nutzen - mit Fonds, die sich auf Neuemissionen, so genannte Initial Public Offerings (IPOs), konzentrieren. Auf den ersten Blick ein attraktives Angebot: Private sollen von den Vorteilen der institutionellen Anleger beim Poker um junge Aktien profitieren. Außerdem könnten sie sich bei der Aktienauswahl auf das Urteil erfahrener Investoren verlassen, versprechen die Fonds.

"In Neuemissionen steckt viel Fantasie", weiß Kerstan von Schlotheim, Fondsmanager der Commerzbank-Tochter Adig Investment. Nachdem spätestens der Börsengang der Siemens-Tochter Infineon im März aus einem Volk braver Sparer mutige Investoren machte, wollte Adig auf der Neuemissionswelle oben mitschwimmen und gründete den Fonds Global New Stocks. "Da lockt die Aussicht auf Zeichnungsgewinne und attraktive Wertsteigerung", sagt Schlotheim.

Häufig müssen die Fonds auch alte Aktien kaufen

Experten halten die markigen Versprechen allerdings für wenig mehr als eine gute Marketingstrategie. "Das Risiko eines Fonds, der viele Neuemissionen zeichnet, ist derzeit hoch", warnt Anlagestrategin Solvig Hopf, Leiterin der Gruppe "Neuer Markt" im Privatkunden-Bereich der Deutschen Bank. Hohe Zeichnungsgewinne sind längst nicht mehr garantiert. Zu häufig mischen sich unter die Gewinner auch Flops mit hohen Verlusten. "Zwar bringen Banken heute nicht mehr jedes Unternehmen an die Börse", weiß Hopf. Trotzdem schafften derzeit noch zu viele schwache Titel den Sprung aufs Parkett.

Entsprechend schwer tun sich Fondsmanager, mit jungen Aktien systematisch hohe Gewinne einzufahren. Die Wertentwicklung fällt oft ernüchternd aus. Zu den bekanntesten Jägern von Neuemissionen zählt der Gontard & Metallbank-IPO-Fonds UI, den die Fondsgesellschaft Universal Investment verwaltet. Seit März 1998 legte der Fonds zwar um gut 150 Prozent zu, blieb damit aber hinter dem Nemax-All-Share zurück - dem Index aller am Neuen Markt vertretenen Titel: Dieser stieg im gleichen Zeitraum um 250 Prozent, der IPO-Index der Deutschen Bank gar um 650 Prozent. "Ein Plus von nur 150 Prozent - ein miserables Ergebnis für den Fonds", findet Markus Straub von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK).

Ein Grund für die magere Performance: Selbst die Profis gehen bei der Jagd nach Neuemissionen oft leer aus. "Fondsmanager bekommen natürlich nicht alle Börsenneulinge, die sie haben wollen", sagt Stefan Kopf von der Gontard & Metallbank. Weil fast jeder Manager vielversprechende Neuemissionen in sein Kalkül einbezieht, ist die Konkurrenz groß. Deshalb müssen Fonds einen Großteil ihres Portfolios in Aktien investieren, die schon auf dem Markt gehandelt werden.