Berlin

Die Mitglieder im Spendenuntersuchungsausschuss waren nicht sonderlich überrascht vom Inhalt des Schreibens, das da am vergangenen Freitag aus ihren Fax-Geräten kam. Über ihre Anwälte ließ die ehemalige Rüstungsstaatssekretärin Agnes Hürland-Büning schon vorab ankündigen, was sie in dieser Woche bei ihrer zweiten Vernehmung vor dem Ausschuss aussagen werde: nichts.

Wie es scheint, fürchtet die Zeugin, sich selbst zu belasten. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf verdächtigt sie der Beihilfe zur Untreue und der Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit Zahlungen des Thyssen-Konzerns und des Ölmultis Elf-Aquitaine. Und vom Spendenausschuss drohte der Frau weiteres Ungemach - ist sie doch mittlerweile etlicher Falschaussagen bei ihrer ersten Befragung am 24. April überführt. Wesentliche Teile ihrer damaligen Aussage hat sie inzwischen korrigiert und sage und schreibe 22 Antworten aus dem Vernehmungsprotokoll streichen lassen - 22 Aussagen, die sie im Nachhinein wohl ganz so nicht gemeint hatte.

Agnes Hürland-Büning stand, wie man inzwischen weiß, nicht nur auf der Lohnliste des Thyssen-Konzerns - das hatte sie bestritten. Außerdem liegen der ZEIT etliche Einträge im Kalender des Waffenhändlers Karlheinz Schreiber vor, die nahe legen, dass Hürland-Büning, bei Schreiber kurz "Hü-Bü" genannt, mit dem politischen Landschaftspfleger des Thyssen-Konzerns einen recht intensiven Umgang pflegte - was insofern peinlich für die Zeugin wäre, als sie behauptet hatte, den Mann überhaupt nicht zu kennen.

Auch eine andere Aussage dürfte Hürland-Büning so nicht wiederholen wollen.

Bei ihrer letzten Vernehmung hatte sie erklärt, mit dem Geschäftmann Dieter Holzer, Schlüsselfigur bei der Privatisierung der ostdeutschen Leuna durch Elf-Aquitaine, erst im Jahr 1991 in Verbindung getreten zu sein - das wäre dann nach ihrer Zeit als Staatssekretärin gewesen. Doch aus dem Umfeld der Zeugin erfuhr die ZEIT, dass die Geschäftsbeziehung zwischen Holzer und Hürland-Büning bis weit in die achtziger Jahre zurückreicht, in eine Zeit also, da die CDU-Frau im Verteidigungsministerium durchaus noch etwas zu sagen hatte.

Die Bekanntschaft mit Holzer erwies sich für "Frau Raffzahn", wie die Bild-Zeitung sie nennt, als überaus lukrativ: Er verschaffte ihr Beraterverträge in Millionenhöhe. Insgesamt 9,5 Millionen Mark erhielt sie von Thyssen und dem französischen Schmiermittel-Konzern Elf-Aquitaine. Was die Expolitikerin für dies Geld zu leisten hatte, ist unklar - angeblich, so erklärt sie es selbst, verhinderte sie durch eine Intervention bei der Landesregierung von Sachsen-Anhalt den Bau einer Ölpipeline, die das Leuna-Projekt für Elf-Aquitaine und Thyssen unattraktiv gemacht hätte. Doch diese Pipeline sollte ohnehin nicht gebaut werden - kein Wunder, dass in Düsseldorfer Justizkreisen von "dubiosen, kaum nachvollziehbaren Vermittlungsaufträgen" Hürland-Bünings die Rede ist, die "auch für sie erkennbar in keinem Verhältnis zu den hohen Vergütungen standen".