Die Goldene Stadt wappnet sich zur Schlacht. Die Schulen werden schließen, Rentner sollen Lebensmittel und Medikamente horten. 50 000 Globalisierungsgegner sind im Anmarsch auf Prag, weil Weltbank und Währungsfonds dort Ende September ihre Jahrestagung abhalten. Zum ersten Mal stehen 12 000 Polizisten und Soldaten eines einstigen Ostblocklandes Demonstranten gegenüber, die fast alle aus dem Westen kommen.

In Mittel- und Osteuropa, deren Bürger vor einem Jahrzehnt so hoffnungsvoll die ganze kapitalistische Welt umarmten, hat die kritische Rezeption der Globalisierung und der EU-Integration noch kaum begonnen. Eine Ausnahme bilden die ungarischen Intellektuellen, die - wie früher schon - die westliche theoretische Diskussion zum Ausgangspunkt ihrer eigenen gesellschaftlichen Analysen gemacht haben. In das Denken und das Dilemma der mitteleuropäischen Bildungseliten, die aus dem Rampenlicht von 1989 in den Schatten der profitierenden Technokraten und der kollabierenden Sozialsysteme geraten sind, geben die Studien der Budapester Ökonomin und Soziologin Erzsébet Szalai einen vielschichtigen Einblick.

Substanziellen Einfluss auf die Richtung des Systemwechsels, so legt Szalai dar, hatte seit Beginn der Wende allein jene Elitegruppe, die der neoliberalen Ideologie den Weg bahnte. Das entsprach den Interessen der spätsozialistischen Technokratie an der Spitze des Kádár-Regimes. Kritische Intellektuelle, die alternative Konzeptionen des Wertepluralismus vertraten, konnten keinen realen Einfluss gewinnen. Ähnlich wie bisher schon verschiedene Autoren im Westen, weist Szalai am Beispiel Mittel- und Osteuropa nach, dass die Konzentration der ökonomischen Macht als Folge der Globalisierung die unsichtbare Hand des Marktes zur Illusion macht und die mit westlicher Hilfe gerade eingeführten Institutionen demokratischer Kontrolle gleich wieder untergräbt. Zugleich zerstört das Diktat der Ökonomie über die kulturelle Sphäre auch die Existenzbedingungen der Intellektuellen.

Angesichts dieser Diagnose kann es nicht überraschen, dass die Autorin wenig Rat weiß, auf welchen Feldern die einstigen Verheißungen der Wende denn aufblühen könnten. Es spricht nicht gegen sie, dass sie aus ihren Hoffnungen auf die Konsolidierung einer Zivilgesellschaft nicht schon ein Glaubensbekenntnis macht.

Erzsébet Szalai: Post-Socialism and Globalization Verlag: Új Mandátum Könyvkiadó, Budapest, 1999 272 S.