Seit der Krimi sich nicht mehr damit begnügt, das Dreieck Täter-Opfer-Jäger interessant in Szene zu setzen, sondern Hintergründe, Vorgeschichte und Privatleben der Akteure mit reinholt ins Geschehen, hat er sich die entsprechenden Koordinationsprobleme eingehandelt. Auch stimmungsmäßig leidet die Einheitlichkeit immer öfter. Wenn die Jägerin, die selbst zum Opfer zu werden droht und das auch weiß, Besuch von einer kiffenden Cousine kriegt, die mit ihrem Koffer zugleich die Nötigung zu Clownerie und Klamotte anschleppt, ist die Atmospäre der Bedrohung hin. Umgekehrt kann man über einen Polizistenkongress, der in einem Karaoke-Lokal endet und grob komisch sein soll, nicht lachen, solange der Killer mit dem Präzisionsgewehr übers Gelände streicht.

Die letzte Ausgabe von Ein starkes Team hatte große Schwierigkeiten, die Balance zwischen Spaß und Spannung zu halten

wahrscheinlich war es so gedacht, dass eins das andere verstärken sollte, dass die Schlager singenden Bullen die Angst und der herumschleichende Brutalo die Komik verschärfen sollten. Aber es ging leider andersrum aus. Immer wenn man sich wirklich gruseln wollte, kam die ausgeflippte Cousine dazwischen und brach den Thrill auf den Klamauk runter, und wenn man sich zum Kichern aufgelegt fühlte, rollte der skrupellose Wüterich sein Auge, ohne echten Schrecken zu entbinden. Der Todfeind (Regie: Jakob Schäuffelen) konnte sich nicht entscheiden, ob er eine Lachnummer sein wollte oder ein Killer-Thriller, und so fiel er zwischen den Genres durch ins Belanglose.

Nun könnte man einwenden, dass ja auch das Leben so gemischt sei: Eben noch lächelt die Polizistin über die Eskapaden ihrer flippigen Cousine, da legt auch schon der entflohene Sträfling auf sie an, und sie erstarrt vor Schreck.

Tja, das Leben hat mehr Zeit als die Kunst, es kann sich alle möglichen Unstimmigkeiten erlauben und uns damit zum Narren halten. Die Kunst zieht zusammen, verdichtet und symbolisiert. Man spielt nicht ungestraft mit Motiven aus den blutigsten Serienkiller-Movies, nur um alles hinterher im Gelächter über den Volltrottel von Polizeidienststellenleiter aufzulösen. Man reißt nicht Abgründe von Blutdurst in der Menschenseele auf, um anschließend in der Karaoke-Bar den Blues zu schmettern. Das geht einfach nicht. Mordlust und Infamie bedürfen - so seltsam sich das anhört - eines gewissen Respekts bei ihrer Inszenierung. Nebenhandlungen, in denen affige Knallchargen und schrille Girlies herumgeistern, ruinieren die Intensität des Grauens, die ein blutiger Rachefeldzug auch im TV-Krimi auslösen muss. Plötzlich wird der Mord zur Farce. Und der Krimi zum bunten Abend.