1991 haben wir die erste westliche Buchführung auf dem Papier eingeführt."

Ähnliche Mängel sieht Sárközi in der Politik nachwirken: "Die Väter haben unseren jungen Talenten doch nicht die politische Kultur der bürgerlichen Welt mitgeben können. Seine ersten politischen Erfahrungen machte so manches Wunderkind dann in den USA. Dort bedingen nun mal Rigorosität und Glauben einander. Wenn ein Präsident sagt, oraler Sex sei kein Sex, dann nehmen ihm das ganze Heerscharen ab. Unsere jungen Politiker müssen in der Tat hier erst einmal Balance und Ausgleich lernen."

Miklós Vásárhelyi traut genau das Viktor Orbán nicht zu: "Ein hoch begabter Mann ohne Prinzipien." Der heute 82-jährige Vásárhelyi war im Ungarn-Aufstand 1956 Regierungssprecher des tragischen Helden Imre Nagy. Im Hochverratsprozess, in dem Nagy zum Tode verurteilt wurde, erhielt Vásárhelyi eine lange Haftstrafe. Literaturwissenschaftler seit den siebziger Jahren, übernahm er später die Soros-Stiftung in Budapest. Sie schickte auch Orbán, den brillanten Studenten aus einfachem Hause, zum Studium nach Oxford.

Ein Jahrzehnt später hat das Kabinett dem Institut fast alle Mittel gestrichen - nicht zuletzt deshab, weil einige der von Orbán gehassten Freidemokraten im Vorstand saßen. Die Regierung schuf eine neue Einrichtung, das Institut für das 20. Jahrhundert. Orbán vertraute es seiner Chefberaterin an, der Historikerin Mária Schmidt. Sie hat sich mit nationalistischen Artikeln und rassistischen Untertönen gegen die Roma hervorgetan.

Gleichgesinntes ist in der halb offiziellen Regierungszeitung Magyar Nemzet zu lesen und über den Fernsehkanal zu hören, den die Regierung kontrolliert.

Im Amt des Ministerpräsidenten sind auch solche Mitarbeiter gelitten, die sich mehr oder weniger offen für eine Horthy-Rehabilitierung und eine Holocaust-Revision stark machen.

In Orbáns Machthunger sieht auch Sárközy das große Problem: "Er will um jeden Preis weiterregieren. Und das wird er nur mit dem rechtsextremen Csurka können. Was aber macht der Westen dann?"