Nach dem Regenguss knispelt und ploppt es in die Stille des nächtlichen Parks. Tausende von Tropfen rinnen durch die Bäume. Aus dem Talmühlbach quillt Nebel. Plötzlich teilt sich die Wolkendecke. Ein Dreiviertelmond schiebt sich hervor und erfüllt den Dunst mit kaltgelbem Licht. Wie ein Nachtbild der Romantik.

In der fränkischen Provinz, nur wenige Kilometer von Bayreuth entfernt, liegt auf einer Anhöhe das Lustschloss Fantaisie. Der einstige Sommersitz der Elisabeth Friederike Sophie, württembergische Herzogin und Tochter der Markgräfin Wilhelmine, ist von einem Garten umgeben, der selbst bei Tage noch verwunschen wirkt. Er spiegelt in nahtloser Abfolge drei wichtige Stilstufen der europäischen Gartenarchitektur wider. Der dämmerige Flur einer Lindenallee trennt und verbindet die geometrischen Gartenräume des Barock mit dem Landschaftspark im klassizistischen und im historistischen Stil.

Die ehemaligen Wohnräume der Fantaisie beherbergen seit ein paar Wochen das erste und bislang einzige Gartenkunstmuseum Deutschlands. 18 Themenräume führen durch die Barock- und Landschaftsgärten Süddeutschlands vom 17. bis 19. Jahrhundert. Illustrierte Pflanzenbücher und zart kolorierte Originalpläne, schwere Gartenbänke, Spaten und Scheren und kostbarer Zierrat zeichnen das Bild der europäischen Gartenkunst. Sehschlitze in Stellwänden lenken den Blick geschickt durch die Fenster nach draußen, wo das größte Exponat wartet: der Garten selber.

Hofpoet Jean Paul pries ihn 1797 als artistisches Lust-, Rosen- und Blüthenthal. Als die Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung in den sechziger Jahren die Anlage kaufte, war davon allerdings nicht mehr viel zu erkennen. Mithilfe alter Reisebeschreibungen und Grundrisse sind Historiker und Gärtner seit sechs Jahren dabei, Park und Schloss ihr ursprüngliches Gesicht zurückzugeben.

Hinter dem Haus leuchten wieder Sternbeete in Krachrot, die Fächerbeete daneben kleiden sich dezent in Grün. Violette Heliotrope betören mit Vanilleduft, wetteifern mit dem herbsüßen Geruch, der in den kühlen Gängen des Hainbuchenlabyrinths hängt. Die grünen Tunnel lotsen zu dem symmetrischen Obstgarten. Apfel- und Birnbäume, Kirsch- und Pflaumenbäume alter Sorten wachsen hier, die Stämme noch dünn wie die Pfähle von Verkehrsschildern.

Zu dem reizvollen Barockgarten, den Friederike ab 1763 bauen liess, gehörte auch die doppelläufige Kaskade. Über Steinstufen, floss das Wasser hinunter, quoll durch die Grottennische und stieg in den Fontänen des Neptunbrunnens wieder empor. Jetzt ist die Treppe zerbrochen, das Bassin mit der verwitterten Figurengruppe liegt still. Plötzlich ein Zischen. Dicklippige Delfine sprühen glitzernde Wasserfächer, aus den Mäulern schuppiger Rösser, sogar aus Neptuns Dreizack, schießen Wasserpfeile. Die Pumpen und Leitungen wurden aufwändig repariert, der Rest muss noch warten. Ein Videoclip im Schloss zeigt, in welcher Vielfalt Wasser durch die Gärten floss: als donnernder Wasserfall, weiß schäumende Fontäne oder still spiegelnder Kanal.

Den schönsten Ausblick bietet der Balkon vor dem prächtigen Weißen Saal. Auf der Südseite des Schlosses senkt sich der Landschaftsgarten ins Tal. Er ist die Schöpfung der Nachbesitzerin, Herzogin Dorothée von Württemberg. Helle Sandwege schlängeln sich durch eine idealisierte Natur. Grasflächen liegen wie Lichtinseln zwischen dunklen Hainen mit Blutbuchen und Pyramideneichen.