Angenommen, Hartmut Mehdorn, Chef der BahnAG, muss ganz überraschend zu einem Termin mit Edmund Stoiber nach München. Und angenommen, er befindet sich in seinem Berliner Büro, dann wird der passionierte Bahnfahrer im Zweifel den Flieger buchen. Nun stelle man sich aber vor, kurz vor Abflug erhielte Mehdorn die Nachricht, das Treffen in München habe sich erledigt. Klar doch, dass sich der Mann den Kaufpreis gutschreiben lässt, die Bahn hat es schließlich nicht so dicke. Kein Wunder also, dass Mehdorn nun auf eine neue Idee gekommen ist, die Einnahmen zu erhöhen: Seit kurzem kann nur noch derjenige unbenutzte Bahnfahrkarten gegen Bares zurückgeben, der hieb- und stichfest beweist, dass er das Ticket wirklich nicht verwendet hat. Auf den Mehdorn-Fall übertragen, heißt das, er müsste Stoiber bitten, ihm eine Bescheinigung auszustellen. Aber wie soll Stoiber wissen, dass Mehdorn nicht ganz privat auf der Wies'n war? Schwierig. Krankheit wäre die bessere Ausrede, die am Hungertuch nagenden Ärzte sind heutzutage gern bereit, entsprechende Atteste zu schreiben.

Schon, so hört man, hat Mehdorn einen neuen Coup geplant. Wer in den Genuss einer Bahnfahrt gelangen will, muss vor dem Kauf der Fahrkarte erst mal ein Eintrittsgeld hinblättern. Schließlich ist es etwas Besonderes, mit der Bahn fahren zu dürfen - oft ja auch viel länger, als der Fahrplan glauben macht.

Der immer höhere Fahrpreis allein kann es daher nicht sein. Herr Mehdorn, wir wissen ja, dass Sie gern nachts im Cockpit Ihres geliebten ICE sitzen und da Lokomotivführer spielen. Aber wie wäre es, wenn Sie mal zur Hauptverkehrszeit Zug fahren würden, um herauszufinden, was Ihren Kunden am Herzen liegt? Diese Erfahrung wäre unbezahlbar. hff.