Dortmund

Loyale Gefolgsleute sind nordrheinwestfälische Sozialdemokraten eigentlich.

Doch jetzt haben sie einmal so richtig gegen ihre Führung aufbegehrt.

Störrisch kippten sie die vorgesehene Tagesordnung ihres Landesparteitags am kommenden Samstag in Düsseldorf. Die geplante Wahl eines Generalsekretärs für die Landes-SPD ist fürs Erste vom Tisch. Und niemand anders als Franz Müntefering, der populäre Generalsekretär der Bundespartei und erdverwurzelte Landesvorsitzende in NRW, steht als Verlierer da. Eine völlig neue Erfahrung ist das für einen, den das Parteivolk seit langem als seinesgleichen verehrt.

Und genau das macht den Fall so aufschlussreich - weit über Nordrhein-Westfalen und die Sozialdemokratie hinaus.

Erneuerung hat Franz Müntefering seiner Partei verordnet. Die sei verkrustet und verschlossen, befand ihr oberster Organisationschef, unmodern und in diesem Zustand einfach nicht mehr attraktiv. Falsch ist das ja nicht: Gerade in diesen Wochen belegt der wachsende Rechtsradikalismus, dass Demokratie für jede Generation neu gewonnen werden muss. Als deren Akteure stehen deshalb auch die Parteien auf dem Prüfstand. Und deren Befund sieht nicht gut aus: Versammlungen mit schematischer Tagesordnung, überkommene Rituale und verbissenes Postengekungel um den Einzug ins Lokalparlament - das alles interessiert die meisten jungen Leute heute nicht. Nur fünf Prozent der SPD-Mitglieder sind unter 30, zur "neuen Generation" dürfen sich noch die 35-Jährigen zählen.

Die Voraussetzungen für den Start in Münteferings Parteireform schienen günstig: In Berlin regiert die SPD erfolgreich, und Landtagswahlen sind noch nicht in Sicht. Es lag da nahe, im heimischen Beritt mit der Neuordnung zu beginnen. Doch Müntefering verschätzte sich. Seine vermeintliche Hausmacht mobilisierte plötzlich gegen ihn. Endgültig gescheitert ist sein Projekt zwar noch nicht. Aber um neue Posten und Personen wird erst einmal nicht mehr gerungen.