Wer bei der Aufklärung der Kinder bislang immer ins Stocken kam ("Es gibt Bienen und Blumen, ähm ..."), bekommt neuerdings Hilfe - von der Deutschen Bank. Die superseriösen Vermögensverwalter haben jede Menge U-Bahnhöfe und Bushaltestellen mit bunten Bildern plakatieren lassen. Das kostenlose Schulungsmaterial zeigen schüchterne Eltern dem Nachwuchs dann bei der Fahrt zum Kindergarten.

Ja, bei der Deutschen Bank ändert sich was. Noch vor kurzem wäre den Herren vom Management beim Anblick ihrer Plakate vor Schreck wohl die Tasse Frühstückstee aus den Fingern gerutscht. Um die Frage "Wie vermehrt sich eigentlich Geld?" zu illustrieren, lassen die Frankfurter Banker nämlich Tiere aller Art auf das Heftigste kopulieren.

Löwen bei der Triebabfuhr? Zwei Störche, die nichts bringen, sondern zeugen?

Oder ein Foto von einem Reh und zwei Hirschen im Stellungskrieg? Unter dem Logo des seriösen Geldhauses wäre das wohl doch zu viel gewesen. Listig gründeten die Frankfurter daher eine neue Firma: moneyshelf.de. Das im Branchenjargon vornehm Finanzportal genannte Internet-Angebot soll helfen, den im Filialgeschäft eher lästigen Kleinsparern ohne viel Personalaufwand Versicherungen und Investmentprodukte zu verkaufen.

Da sich der Pöbel am besten durch einen Appell an seine niederen Instinkte ködern lässt, ist es nur konsequent, wenn moneyshelf jetzt die Werbeflächen des Landes mit Bildern aus dem Kamasutra des Tierreichs verziert. Der sonst so spröden Deutschen Bank ist damit ein genialer Schachzug gelungen: Erstens bringt der Verzicht auf den eigenen Firmennamen mit Sicherheit einige Pluspunkte bei der Zielgruppe der jüngeren Internet-Nutzer, bei denen die Bank - vorsichtig formuliert - nicht eben das beste Image hat. Zweitens sind die Motive der Kampagne derart einprägsam, dass man wirklich glauben könnte, ein erfolgreicher Vermögensaufbau durch den Austausch von Körperflüssigkeiten ließe sich nicht allein im ältesten Gewerbe der Welt erzielen.

Uns Narren beeindruckt vor allem die Offenheit, welche die Banker an den Tag legen. Während sich bislang nur einschlägige Herrenmagazine und Versandhäuser für Autozubehör zur These "Sex sells" bekannten, brechen die Herren des Geldes mit der Kampagne für moneyshelf ein Tabu, das vom zweitältesten Gewerbe der Welt bisher eisern respektiert worden ist: "Sage den Kunden nie, was du über sie denkst."

Offensichtlich hält man die Kleinsparer für komplett rückenmarksgesteuert.