Steuern "steuern" nur selten, wie der Begriff suggeriert. Vorweg dienen sie dem Staat als Einnahmequelle. Und nirgendwo funktioniert das besser als bei Gütern mit "inelastischer" Nachfrage. Auf Deutsch: Wenn der Preis steigt, fällt nicht etwa die Nachfrage, wie es die Theorie fordert

sie bleibt mehr oder weniger auf dem gleichen Stand. Zwei Klassiker sind Zigaretten und Öl.

Der Nikotinsüchtige wird anderswo knapsen, um sich die nächste Stange zu kaufen. Und wer täglich mit dem Auto zur Arbeit muss, greift tiefer in die Tasche und fährt weiter. Eine Gesellschaft, die sich auf Trucker verlässt, kann nicht schon morgen auf Güterzüge und Lastkähne umsteigen.

Diese zumindest kurzfristige "Inelastizität" ist ein wunderbares Geschenk für den Staat. Jagt die Opec den Ölpreis hoch, reibt sich der Finanzminister die Hände. Da er prozentual am steigenden Preis beteiligt ist, spülen ihm die Scheichs, auch die "blauäugigen" aus England und Norwegen, mit jedem Auftrieb mehr Geld in die Staatskasse. Dieses Faktum gilt es, im Auge zu behalten in diesen Tagen, da der Kanzler und sein oberster Kassenwart Eichel standhaft wider steuerliche Nachlässe beim Benzin- und Heizölpreis fechten.

Ökosteuer runter- oder aussetzen? Leider ist in der Debatte aus schnöden Gründen ein erkleckliches Quantum Heuchelei eingebaut. Erinnern wir uns an die Philosophie der Ökosteuer. Sie sollte, so das gute und einsichtige Ziel, den Energiepreis langfristig und berechenbar anheben, um so die Sucht nach dem knappen Gut zu zügeln. Ein zweiter Zweck wurde draufgesattelt: Lasst uns mit dem Extragewinn die Lohnnebenkosten senken (beziehungsweise die Anhebung der Mehrwertsteuer vermeiden). Nur: Was hat das mit ökologiebewusster Erziehung zu tun? Logischerweise hätte diese Steuer gänzlich in Energiesparprojekte investiert werden müssen, etwa durch Begünstigung des Verkehrs auf der Schiene. Und weiter: Wenn man zu Recht postuliert, dass Deutschlands gigantische Lohnnebenkosten beschäftigungs- und standortfeindlich sind, darf man dieses System nicht per Ökosteuer subventionieren, sondern muss es reformieren. Lichten statt umschichten, hätte die Devise sein müssen. Oder: Nicht nur der Bürger, auch der Staat muss sparen. Stattdessen hat er das Geld aus der steigenden Ökosteuer längst verplant.

Wo bleibt da das Prinzip der Ökosteuer: die Zähmung der Energiesucht durch langfristig berechenbare Preissteigerungen? Wer das will, darf nicht auf das Auf- und Ab der Ölpreise eine in Stufen steigende Steuer draufsatteln. Damit verschärft er bloß die Ausschläge nach oben. Die Steuer müsste variabel sein, ähnlich den Subsidien, die den Zyklus der Agrarpreise glätten sollen. So könnte aus der Zickzackkurve der vergangenen 30 Jahre (zwischen zwei und 40 Dollar nominal) eine glatte, berechenbar aufsteigende Linie werden. So könnten auch kriegerische Aufwallungen, wie wir sie in diesen Tagen erleben, gedämpft werden. Aber das wäre ein sehr subtiles Schachspiel mit den Produzenten, dem der unbewegliche Staat westlicher Prägung wohl nicht gewachsen wäre.

Was bleibt? Blicken wir nach Frankreich, wo der Etatismus stark, der Staat aber schwach ist. Immer wieder haben Gruppen wie Lkw-Fahrer, Fluglotsen oder Eisenbahner, die an wenigen strategischen Punkten die ganze Wirtschaft blockieren können, den Sieg gegenüber dem Staat davongetragen. Das haben auch britische, belgische und gewiss die deutschen Kollegen kapiert. Die Chancen stehen also gut, dass die Regierung Schröder vorauseilend die Mächtigen mit Sondergeschenken besänftigen wird. Der Ölpreis ist der "Brotpreis" der Moderne. Die klassische Klientel der SPD, der kleine Mann, hat schon ein Geschenk